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Ganz so einfach ist es nicht

In der Saarbrücker Zeitung vom 25.06.2020 wurde das Thema der seit längerem gesperrten Brücke über den Würzbacher Weiher aufgegriffen. Beim Lesen konnte man dabei den Eindruck gewinnen als könnte das Problem doch eigentlich schon längst aus der Welt sein. Leider ist das aber nicht ganz so einfach mit dem Brückenbau.

Die aktuell gesperrte Brücke am Würzbacher Weiher. Fotos: Uwe Brengel

Einfach mal eine mehrere Meter lange Holzbrücke vom Technischen Hilfswerk (THW) über den Weiher bauen lassen, unbürokratisch und mit einem Ingenieur, der noch kostenfrei dazu Pläne erstellt – das klingt zu schön, um einfach so funktionieren zu können, und das tut es auch nicht, insbesondere wenn es sicherheits- und naturschutzrelevante Aspekte zu beachten gibt, um jegliche spätere Haftungsansprüche zu vermeiden.

In Rathäusern sind, ebenso wie bei der Presse, bekanntermaßen keine Spezialisten für Brückenbau anzutreffen. Bauämter sind also in der Regel auf Fachleute von außerhalb angewiesen, wenn es darum geht, sichere, wirtschaftlich sinnvolle und beständige Vorhaben umzusetzen. Das macht eine Beauftragung qualifizierter Fachleute bzw. spezialisierter Ingenieurbüros und Unternehmen erforderlich. So verhält es sich auch im Falle der Brücke am Würzbacher Weiher. Auch eine THW-Lösung ist heutzutage nicht einfach mal so umsetzbar. Je nach Nutzungsart und Standort sind nämlich bereits bei der Planung Richtlinien und Umweltauflagen zu berücksichtigen.

Für Brücken gibt es Vorschriften. Die „DIN 1076“ (Ingenieurbauwerke im Zuge von Straßen und Wegen, Überwachung und Prüfung) regelt durch regelmäßige Bauwerksprüfungsintervalle die Sicherheit solcher Objekte. Im Fall des Weiherüberganges gab es schon vor längerem konkrete Bedenken was die Statik und Tragfähigkeit anbelangt. Beim Bau der Holzbrücke wurden in festgelegten Abständen Pfosten in den Weiherboden gerammt und mit Trägern verbunden. Je nach Pegelstand ist das Holz mal oberhalb, mal unterhalb der Wasseroberfläche und somit allen möglichen Einflüssen ausgesetzt. Im Übergangsbereich zeigen sich dann irgendwann Veränderungen bzw. Fäulniserscheinungen, die Drucklast kann nicht mehr sachgemäß abgefangen werden, Spannungswerte werden womöglich überschritten. Bei der Statik wird, abhängig von der Nutzungsfläche, von einer maximalen Frequentierung bzw. Belastung durch eine Anzahl von Nutzern ausgegangen. Die letzte Untersuchung durch die beauftragte Prüfungseinrichtung hatte 2018 schließlich gezeigt, dass sich der Holzquerschnitt so verringert hatte, dass das Objekt als nicht mehr standsicher anzusehen war. Von ungenügendem Zustand und sofort erforderlichen Maßnahmen war im Bericht die Rede. Die damalige Bürgermeisterin ließ den Übergang daraufhin zunächst sperren, um Unfällen vorzubeugen. Bei der späteren, vorübergehenden Wiederöffnung hatte man durch Teilsperrungen lediglich die zu begehende Fläche reduziert, um die Belastungsgrenze einzuhalten. Dann kam der Baumfall neben der Brücke hinzu, die Vollsperrung ist seitdem wieder aktuell.

Die Kosten der aktuellen Machbarkeitsstudie, die zum Zeitpunkt des Presseartikels keineswegs wie darin angegeben bereits seitens der Stadtverwaltung beauftragt war, werden zu 80% durch das GAK-Regionalbudget zur Unterstützung von Kleinprojekten bis zu 20.000 Euro aus Zuwendungen von Bund, Land und LAG-Mitteln bezuschusst. Eine solche Studie ist insofern eine wichtige Voraussetzung für den weiteren Verlauf, da sie Planungssicherheit gibt und die erforderliche Grundlage für einen genehmigungspflichtigen Neubau schafft. Sie untersucht und berücksichtigt alle relevanten Faktoren, von gesetzlichen Vorgaben über Sicherheit und Statik bis hin zur wirtschaftlichen Seite und Materialauswahl. Außerdem werden maßgebliche Naturschutz- und wasserrechtliche Richtlinien nach den Vorgaben bzw. Auflagen des Landesamtes für Umweltschutz (LUA) mit einbezogen. Besagte Brücke befindet sich inmitten eines Landschaftsschutz- und direkt am Rand eines Naturschutzgebietes.

Zur Durchführung einer Neubaumaßnahme hält der aktuelle Haushalt der Stadt Blieskastel im laufenden Jahr leider keine verfügbaren Mittel bereit. Die in der Presse erwähnten 100.000 Euro sind tatsächlich zur Sanierung einer anderen Brücke, in der Würzbachhallenstraße nahe der Kita, vorgesehen. Zudem war von einem im städtischen Haushalt bereits eingestellten Betrag in Höhe von 400.000 Euro die Rede, dieser findet sich tatsächlich bislang jedoch nur im Investitionsprogramm für 2022/23, Die Umsetzungsplanung wird damit also erst ein Thema bei der Haushaltsaufstellung des kommenden Jahres werden. (ub)