Nachhaltigkeit ist Pflicht

Naturnahe, nachhaltige Waldwirtschaft im Fokus: Eine neue Broschüre wirbt für den Wert des Holzes aus heimischen Wäldern

Broschüre und Flyer zu "Der Wert des Holzes aus heimischen Wäldern" (Scan/Repro: UB)

Bei der Vorstellung der neuen Broschüre im Rathaus (von links): Doris Gaa, Dr. Helmut Wolf, Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener, Torsten Czech, Julia Saar, Lara Ruppel. Foto: Uwe Brengel

Die Bürgermeisterin und Julia Saar, Biosphärenzweckverband Bliesgau. Foto: Uwe Brengel

Wenn man in früheren Zeiten Möbel und Einrichtungsgegenstände erwarb, dann war das meist eine Anschaffung fürs Leben. Hochwertige Produktionen sind im Zeitalter von Importen in Billigkaufhäusern mittlerweile eher die Ausnahme, und wenn der Konsument für vermeintliche Schnäppchen, die nach zwei oder drei Umzügen oft bereits den Geist aufgeben, einige Euros weniger zahlt, dann zahlt die Zeche dafür unter Umständen Mutter Natur, speziell die Wälder, die mit dem Holz den wohl wichtigsten Werkstoff unserer Zeit liefern.

Zur Bewusstseinsbildung für die Bedeutung und Wertschöpfung der in der Region ansässigen Holzarten soll nun eine neu entwickelte Broschüre beitragen, die am 21. Juli im Rahmen eines Pressetermins im Rathaus vorgestellt wurde. Der besondere Wert der heimischen Hölzer mit all ihren Vorzügen und typischen Eigenschaften gewinne inzwischen wieder an Bedeutung, wie Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener zu Beginn anmerkte. Eine nachhaltige und naturschonende Nutzung der Wälder scheint wichtiger denn je. Immerhin verliert unser Planet jährlich derzeit noch rund 13 Millionen Hektar Wald, so Dr. Helmut Wolf vom Blieskasteler Stadtwald. In einigen Ländern gehe ein Drittel der Urwaldfläche verloren, mit weitreichenden Folgen für Tier- und Pflanzenwelt wie auch für das Klima.

Lara Ruppel, Regionalassistentin des „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“ (PEFC) für Rheinland-Pfalz und das Saarland, betonte, wie wichtig nachhaltige Waldwirtschaft nicht zuletzt auch für die Wertschöpfung in der Region und vor allem für die CO2-Bilanz sei, gewissermaßen also eine Pflichtaufgabe. Die zentrale Ressource Holz sei ein nachwachsender und CO2-neutraler Rohstoff. Man könne jedoch logischerweise immer nur so viel an Holzrohstoffen gewinnen, wie nachwachsen kann. Der PEFC ist die größte Institution zur Sicherstellung und Vermarktung nachhaltiger Waldbewirtschaftung durch ein unabhängiges Zertifizierungssystem. Das Label garantiert, dass Holz- und Papierprodukte aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Doris Gaa, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Saarpfalz mbH, betonte die Wichtigkeit, Holz wieder mit anderen Augen zu sehen und als regionales Produkt wahrzunehmen, mit einer Wertigkeit wie in früheren Zeiten und ohne gewissenlose Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Beispiele wie das Schullandheim Spohns Haus könnten weiter Schule machen. Dort wurde mit Hölzern aus zertifizierter und regionaler Waldwirtschaft ein Projekt umgesetzt, im Zuge dessen mit sechs involvierten Betrieben eine bis in die Nischen ausgerichtete Einrichtung realisiert werden konnte, so Torsten Czech von der Geschäftsstelle der LEADER-Region Biosphärenreservat Bliesgau. Holzverarbeitende Betriebe müssen hier wieder investieren, um Massivholz selbst bearbeiten zu können, so könnten langfristig auch die Waren in der Anschaffung günstiger werden.

Auch der Biosphärenzweckverband Bliesgau greift die Thematik gerade verstärkt auf, so Mitarbeiterin Julia Saar, dort für den Bereich Partnerbetriebe zuständig. Angeschlossene holzverarbeitende Betriebe orientieren sich inzwischen nach neuen Kriterien bis hin zur Zertifizierung. Hier sei inzwischen ein gut funktionierendes Netzwerk entstanden. Auch der Stadtwald mit seinen Forstbetrieben soll in absehbarer Zeit angegliedert werden. Einen entsprechenden Antrag dazu überreichte die Bürgermeisterin ihr gleich im Anschluss.



HINTERGRUND:
Das Biosphärenreservat Bliesgau ist mittlerweile eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung mit über 12.000 Hektar Waldfläche, die unbedingt erhalten werden muss. Zur Konzepterstellung „Inwertsetzung heimischer Hölzer im Biosphärenreservat Bliesgau“ wurde von der Stadt Blieskastel ein LEADER-Antrag gestellt. Aus Mitteln der Europäischen Union (Euopäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes – ELER) und des Landes wurde im Rahmen dessen auf die zuwendungsfähigen Ausgaben i.H.v. 8.854,- Euro ein Zuschuss in Höhe von 7.525,90 Euro gewährt. Im Vordergrund der Konzepterstellung standen Möglichkeiten eines effizienten Transportes, Einschnittes, Lagerung, Verarbeitung und Vermarktung heimischer Hölzer. Zur Bewusstseinsbildung für die Bedeutung und Wertschöpfung der in der Region ansässigen Holzarten soll die neu entwickelte „Starterbroschüre“ beitragen. Sie präsentiert viel Informatives rund um die Bedrohung der Wälder, ihrer Artenvielfalt, über Ansätze zu globalem Handeln und Denken bis hin zu Praxisbeispielen für gelebte Nachhaltigkeit in der Region. Für das Feinkonzept der Broschüre zeichnet die FORSTagentur Ökologie & Forst Consulting verantwortlich, für Layout und Gestaltung Elke Birkelbach.