Rückepferde im Stadtwald

Die Stadtverwaltung setzt mit Rückepferden im Pinninger Wald gerade wieder ein Zeichen für eine ökologisch nachhaltige, naturnahe Forstwirtschaft.

Das rund 10 Jahre alte Ardenner Rückepferd im Pinninger Wald ließ sich vom ungewohnt großen Interesse an seiner Arbeit nicht aus der Ruhe bringen...

...und positionierte sich sogar gerne für eine Nahaufnahme. Beide Fotos: Uwe Brengel

Mit gezielten Fällungen werden kranke Bäume aus dem Wald entfernt, gesunde erhalten Platz zur Weiterentwicklung. Was vor Jahrzehnten in der Waldwirtschaft noch zum alltäglichen Erscheinungsbild gehörte, wurde nach und nach durch neue technische Arbeitsgeräte und Fahrzeuge fast vollständig verdrängt: der Einsatz von sogenannten Rückepferden zum „Holzrücken“. Diese rücken jedoch nicht, vielmehr ziehen sie gefällte Baumstämme zum jeweils nächsten Waldweg, wo sie später problemlos abtransportiert werden können, wodurch eine Befahrung des Waldbodens mit Arbeitsmaschinen weitgehend reduziert wird. Im Zuge einer naturnahen und nachhaltigen Forstwirtschaft ist diese schöne Tradition inzwischen wieder zunehmend gefragt. Im Gegensatz zu den lauten und schweren Forstmaschinen verursachen Pferde praktisch keine Waldschäden, hinterlassen keine Rückstände wie Öl oder Benzin und stören darüber hinaus nicht durch Einsatzgeräusche die anderen Tiere im Wald. Ihr Einsatz bewährt sich auch auf unwegsamem, schlecht zugänglichem Gelände.

Die beiden Kaltblut-Rückepferde, die gerade im Pinninger Forst eingesetzt werden, ein Ardenner und ein belgischer Brabant, gehören Ernst Winkmann, der inzwischen schon auf eine rund dreißigjährige Erfahrung mit dieser alten Tradition zurückblicken kann und seit 2011 gemeinsam mit seinem Sohn Stefan einen Forstbetrieb in Blieskastel leitet. Nicht jedes Pferd ist für solch eine Arbeit geeignet, weiß Winkmann. Neben Körperbau und Belastbarkeit benötigen die Tiere eine gewisse Zugwilligkeit wie auch einen möglichst ruhigen Charakter. Bis zu zehn Zentner Gewicht kann ein Rückepferd ziehen. Die Ausbildung nimmt etwa zwei Jahre in Anspruch, wie im Rahmen des Ortstermins zu erfahren ist. Die Pferde müssen vor allem die Bedeutung der Kommandos lernen. Arbeitseinsätze erfolgen zur Schonung der Tiere jeweils im 3-Stunden-Takt; während eines gerade am Rücken ist, verweilt ein zweites in der Ruhephase. Neben dem aktuellen Einsatz der Rückepferde in Pinningen sind bereits weitere Einsätze im Stadtgebiet vorgesehen, wie der städtische Förster Dr. Helmut Wolf vor Ort ankündigte.

Die nachhaltige Waldbewirtschaftung ist nur eine der vielfältigen Herausforderungen, denen sich Förster heute zu stellen haben. Eine der wichtigsten Aufgaben ist es, Weichen zu stellen um dem klimatischen Wandel mit seinen Veränderungen wie Trockenheit und Schädlingsplagen entgegenzuwirken, Runde 2000 Hektar Fläche umfasst der Blieskasteler Stadtwald, der damit größenmäßig auf den Saarforst folgt. Zusätzlich betreut das Blieskasteler Forstteam im Zuge interkommunaler Zusammenarbeit weitere 1000 Hektar in Mandelbachtal sowie 350 Hektar Waldfläche in Homburg mit.

Unterstützt werden die Blieskasteler Forstarbeiter jährlich von jungen Menschen, die bei der Stadtverwaltung ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren. Diese Bildungsmaßnahme, die im Zuge der täglich anfallenden Arbeiten viele Kenntnisse rund um Pflanzungen, den Bereich Naherholung, Gewässerpflege, Wegebaumaßnahmen, etc. vermittelt und neben der praktischen Arbeit von Seminaren zu diversen Themen begleitet wird, schafft eine ideale Vorbereitung für viele spätere Berufsziele.

(ub)