Skizzen und Zeichnungen von Prof. Carl Johann Becker-Gundahl

Das Stadtarchiv erhielt mehrere Zeichnungen von dem bekannten Künstler zum Geschenk...

Erwin Vohlken mit einer Darstellung von Bacchus, dem römischen Gott des Weines. Foto: Kurt Legrum, Stadtarchiv Blieskastel

Erwin Vohlken, in Niedersachsen wohnhaft, übereichte ein Gemälde, eine Radierung von 1896 und 17 weitere z.T. großformatige Zeichnungen und Skizzen, an seine Heimatgemeinde.

Im saar-pfälzischen Ballweiler wurde der spätere Professor 1856 als ältestes von 11 Geschwistern des Dorfschullehrers Karl Becker geboren. Nach seiner Großmutter Anna nahm er später den Doppelnamen Becker-Gundahl an. Er ergriff den Schreinerberuf. 1875 begann er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste München. Aus finanziellen Problemen musste er sein Studium mehrfach unterbrechen. Er arbeite u.a. als Zeichenlehrer in Kiel, Mitarbeiter der Zeitschriften „Fliegende Blätter“ und „Jugend“. 1884 wird er für sein Gemälde „Der Austräglerin Ende“ in Berlin mit dem Großen Staatspreis ausgezeichnet. 1892 Gründungsmitglied der Münchener Sezession. Er erhielt mehrere monumentale Kirchenaufträge. Ab 1910 hat er die Professur für dekoratives Zeichnen und seit 1916 für monumentale Malerei an der Münchener Akademie inne. Sein Werk ist gekennzeichnet durch seine Motive aus dem bäuerlichen Milieu und seine christlichen Themen sowie seine Porträt-Malereien. Alle drei Genres sind in den nun vorliegenden Arbeiten vertreten. Die meisterhafte Beherrschung seines Metiers wird in seinen Skizzen und Studien etwa zu menschlichen Gesichtsausdrücken deutlich. Den Papiermangel in den Kriegsjahren 1914/18 kann man erahnen, wenn man das dünne Papier anfasst und sieht, dass er Vorder- und Rückseite benutzte.

Carl Johann Becker-Gundahl verstarb 1925. Posthum wurde ihm die höchste Auszeichnung, die einem bayerischen Künstler zuteilwerden konnte, verliehen: die Aufnahme in den Maximiliansorden für Kunst und Wissenschaft. 1957 ehrte seine Geburtsgemeinde Ballweiler den Künstler durch Anbringung einer Gedenktafel an seinem Geburtshaus. Des Weiteren durch Benennung einer „Becker-Gundahl-Straße“ und der damaligen Schule in „Becker-Gundahl-Schule“. 1990 fand in der Orangerie Blieskastel eine Ausstellung mit seinen Werken statt. 

Bürgermeister Bernd Hertzler sprach den Dank der Stadt gegenüber dem Spender Erwin Vohlken aus. Im Archivwesen könnten etliche Lücken in der Überlieferung der Stadt und ihrer Stadtteile nur durch private Unterlagen ergänzt werden. So sind auch diese Zeichnungen von Prof. Becker-Gundahl eine Bereicherung des Bestandes: Gemälde- und Skulpturensammlung, im Stadtarchiv Blieskastel. Sehr erfreulich war die Tatsache, dass dieses Konvolut kostenlos überlassen wurde. Der gelernte Raumausstatter Vohlken, der sich nun als Rentner verstärkt seiner Leidenschaft, der Porträtmalerei, widmen will, fand das Blieskasteler Stadtarchiv als den besten Platz zur Bewahrung dieser Arbeiten aus dem Nachlass von Becker-Gundahl. Die Arbeiten sollen zu einem späteren Zeitpunkt in einer kleinen Ausstellung für das Publikum erstmals öffentlich zugänglich präsentiert werden. (kl)