UN-Anerkennung für die „Essbare Biosphärenstadt Blieskastel“

UN-Dekade Biologische Vielfalt gibt Auszeichnung an Blieskastel

Von links, hintere Reihe: Wolfgang Henn (Geschäftsführung Saarpfalz-Touristik), Elmar Becker (Blieskasteler Gastronom), Prof. Dr. Franz Müller (Imkerverein Blieskastel), Cliff Hämmerle (Blieskasteler Sterne- und SR-Fernsehkoch "Mit Herz am Herd"), Andreas Ternes (Projektteam Essbare Stadt Blieskastel), Ernst Welsch (Imkerverein Blieskastel), Anika Hering (Regionalmanagerin Lokale Aktionsgruppe Biosphärenreservat Bliesgau e.V.), Richard Schreiner (Landwirtschaftskammer Saarland), Blieskastels Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener, Dr. Helmut Wolf (Projektteam Essbare Stadt Blieskastel), Karin Riga (Geschäftsführung ZBB, Zentrum für Bildung und Beruf Saar gGmbH), Dietmar Schönberger (Fachbereichsleitung Jobcenter Saar-Pfalz-Kreis), Doris Gaa (Geschäftsführung Wirtschaftsförderungsgesellschaft Saarpfalz), Dr. Claus Gerber (Projektleitung ZBB Jugendwerkstatt SaarPfalz), Charlotte Teichmann (Projektteam Essbare Stadt Blieskastel) sowie Reinhold Jost, Minister für Umwelt und Verbraucherschutz (Bildmitte, kniend bei den Kids) und eine Schulklasse der Schlossbergschule Blieskastel mit ihrer Lehrerin Ina Jansen. Foto: Uwe Brengel

Seit 2015 begeistert sie mehr und mehr, die „Essbare Stadt“, die ursprünglich eine Erfindung der britischen Stadt Todmorden war. Die Grundidee, Nutzpflanzen auf öffentlichen Flächen anbauen, um das Thema Natur mit ihrer Biologischen Vielfalt stärker in Städten zu verankern und neue Zugänge zu einer bewussten, gesunden Ernährung zu schaffen, stärkt die Wertschätzung für Produkte aus der Region, wertet das Stadtbild auf und schafft eine Basis für ein neues soziales Miteinander. Der Biosphärengarten, in dem nahe des Klosters Pflanzen herangezogen werden, dient dabei inzwischen gleichermaßen als Freiluft-Klassenzimmer wie als Ort der Begegnung für interessierte Naturfreunde. Inzwischen treffen und engagieren sich dort neben Einzelpersonen vor allem Schulklassen, Kindergärten und Vereine wie der Blieskasteler Imkerverein. Diese Initiative überzeugte kürzlich auch die Fachjury der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“, die der Stadt Blieskastel dafür eine Auszeichnung zukommen ließ. Die Stadt Blieskastel darf nun über einen Zeitraum von zwei Jahren den Titel „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ führen. Am 8. Februar wurde die Urkunde im großen Sitzungssaal des Rathauses durch Umweltminister Reinhold Jost an Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener übergeben. Die Verwaltungschefin freute sich über den Erfolg der „Essbaren Stadt“, die inzwischen von einer großen Gemeinschaft gelebt und geteilt werde. Neben den ökologischen Gesichtspunkten bediene das Projekt somit auch große soziale Aspekte. Die Kinder der Klasse 2.2 der Schlossbergschule, die im Biosphärengarten eine Patenschaft für eines der Hochbeete übernommen haben, berichteten dem Umweltminister und den anwesenden Gästen dann auch sogleich von ihren Erfahrungen. Die Bürgermeisterin, die im Rahmen des Projektes auch sporadisch die Grundschulen besucht, um gemeinsam mit den Kindern zu kochen und ihnen so eine nachhaltige und gesunde Ernährung näher zu bringen, betonte die Bedeutung des Wissens im Gartenbau, das man durch die Beete in der City sichtbar und erlebbar mache. Ebenfalls mit von der Partie war unter anderem Sternekoch Cliff Hämmerle, der verriet, dass er sich neben seiner SR-Fernsehreihe „Mit Herz am Herd“ auch eine TV-Kochrunde mit Kindern vorstellen könnte. Auch Umweltminister Reinhold freute sich über die Akteure und ihre Initiative „in einem der schönsten Fleckchen Deutschlands“ und betonte neben der ökologischen auch die Bedeutung für den Tourismus. An die Schulen gerichtet verriet er darüber hinaus, dass im kommenden Haushalt Fördermittel für die Anlegung von Schulgärten vorgesehen seien, die man abrufen könne, und sagte spontan bereits eine kleine Starthilfe in Höhe von 250 Euro bei entsprechenden Umsetzungen zu. (ub)


Hintergrund:

  • Die Vereinten Nationen haben die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade für die biologische Vielfalt erklärt. Die Staatengemeinschaft ruft damit die Weltöffentlichkeit auf, sich für die biologische Vielfalt einzusetzen. Hintergrund ist ein kontinuierlicher Rückgang an Biodiversität in fast allen Ländern der Erde. Die Dekade soll die Bedeutung der Biodiversität für unser Leben bewusst machen und Handeln anstoßen. Menschen auf der ganzen Welt engagieren sich für dieses Ziel. Im Wettbewerb werden Projekte ausgezeichnet, die sich besonders für den Erhalt, eine nachhaltige Nutzung oder die Vermittlung der biologischen Vielfalt einsetzen. Bewerben können sich Einzelpersonen oder Initiativen, institutionelle Projektträger wie Verbände, Stiftungen und Unternehmen sowie staatliche und nicht-staatliche Organisationen.
  • Rund 148.000 Euro wurden in das Projekt „Essbare Stadt investiert“, davon kamen rund 98.000 Euro aus Mitteln der Europäischen Union (ELER) und des Umweltministeriums. Die praktischen Arbeiten wurden in Zusammenarbeit mit der Stadt Blieskastel von zwölf Mitarbeiter/innen der „Zentrum für Bildung und Beruf gGmbH (ZBB)“ ausgeführt, die für die Dauer von 3 Jahren aus Mitteln des Jobcenters Saarpfalzkreis über das Arbeitsmarkt-politische Instrument „Soziale Teilhabe“ gefördert werden. Unterstützt wurden sie durch die Teilnehmenden aus den Maßnahmen ZBB-Jugend- und Erwachsenenwerkstatt, ebenfalls im Auftrag des Jobcenters Saarpfalzkreis. Ziel beider Maßnahmen ist es, den Teilnehmenden über Beschäftigung und Qualifizierung einen (Wieder-) Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. (ub)