Auf einer Gesamtfläche von 108,27 Quadratkilometern umfasst die Stadt Blieskastel insgesamt 15 Stadtteile. Diese beherbergen im Gesamten fast 21000 Einwohner.
Unabhängig von Größe und Ausdehnung trägt jeder Stadtteil durch seinen ganz eigenen Charme und durch individuelle Sehenswürdigkeiten zum Gesamtbild der schönen Barockstadt Blieskastel bei.

Die Stadt gliedert sich in folgende Stadtteile:

Zur Geschichte von Altheim und Neualtheim

Im Südosten des Stadtgebietes von Blieskastel, nahe der lothringischen Grenze, liegt in dem unter Naturschutz stehenden Tal der Bickenalb der Stadtteil Altheim. Die Talmulde zählt geologisch zum Oberen Buntsandsteingebiet, während die Hänge bzw. Hochflächen Teil des Unteren Muschelkalkes sind. Erste Spuren menschlichen Lebens waren der Fund eines Steinbeiles und einer neolithischen Pfeilspitze (4.500 - ca. 3.000 v. Chr.). Viel bedeutender sind die Funde aus keltischer und vorkeltischer Zeit. Auf dem bewaldeten Höhenzug zwischen Altheim und Brenschelbach wurden über 40 Hügelgräber untersucht, deren Bestattungen und z. T. Nachbestattungen von der Urnenfelderstufe der späten Bronzezeit (1.200 - 750 v. Chr.) bis in die Frühlatènezeit (450 - um 300 v. Chr.) reichen. Die Grabbeigaben wie z. B. Hals-, Arm- und Beinschmuck aus Bronze und zahlreiche Gefäße zählen heute zum Fundus des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken. Mauerreste belegen die Anwesenheit der Römer. Daß der Ort bereits im frühen Mittelalter existierte, zeigt die Entdeckung eines großen Gräberfeldes aus der Merowingerzeit, das vom Ende des 6. bis zum Ende des 7. Jahrhunderts belegt wurde. Die überdurchschnittlich reichen Grabausstattungen aus Altheim sind ebenfalls im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken ausgestellt. Während in den Männergräbern Waffen wie Kurz- und Langschwerter, Pfeile und Lanzen gefunden wurden, sind die Frauengräber durch Beigabe von Schmuck charakterisiert. Reich verzierte Scheibenfibeln aus Gold oder einer Gold-Silber-Legierung als Teil der merowingischen Frauentracht zählen zu den künstlerisch wie handwerklich bemerkenswertesten Fundstücken. Sie verdeutlichen auch den Reichtum der Verstorbenen. Mit seinen 119 Bestattungen ist das Gräberfeld von Altheim das größte bekannte Gräberfeld der Merowingerzeit im Saar-Mosel-Raum.


Von den Merowingern bis zur ersten schriftlichen Erwähnung „Altheyms“ vergehen 600 Jahre. 1275 vermachte der Pfarrer Folmar zu Altheim all seinen Besitz dem Kloster Hornbach. 1333 verpfändete der Graf von Zweibrücken aus Geldnöten den Ort an seinen Vetter, den Grafen von Zweibrücken-Bitsch. Mit dem Aussterben dieser Linie kam das Dorf 1570 zu dem Herzogtum Lothringen und mit diesem 1766 zu Frankreich. Noch heute findet man im Atheimer Wald Bannsteine mit dem Lothringer Doppelkreuz. Ein Exemplar aus dem Jahre 1753 steht auf dem Vorplatz der Kirche, neben einem Leyenschen Grenzstein aus dem Jahre 1786. Nach dem Tauschvertrag von 1781 fiel das Dorf an die Grafen von der Leyen und kam somit zur Herrschaft Blieskastel.

Dieser Tauschvertrag hatte auch für Neualtheim Gültigkeit. Südlich von Altheim und Böckweiler siedelten sich im Jahre 1699 unter dem Schutz des Bitscher Oberschultheißen de la Cour drei Medelsheimer Bürger an. Nach dem einstigen Hornbacher Klosterhof wurde die Ansiedlung Pinningen genannt. Aufgrund des gemeinsamen Bannes kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Bewohnern des neugegründeten Ortes und denen aus den Dörfern Altheim und Böckweiler, die in der Zerstörung der Pinninger Neubauten gipfelten. 1726 wurden die Zwistigkeiten im „Altheimer Vertrag“ vorübergehend beigelegt. Hierin erhielt der neue Ort auch erstmals den widersprüchlichen Namen Neualtheim. Erst nach der Aufhebung der alten Territorialgewalten wurden Anfang des 19. Jahrhunderts die Gemarkungsgrenzen der drei Gemeinden endgültig festgelegt und somit eine Befriedung der zerstrittenen Dorfbewohner erreicht.

Bemerkenswert in Altheim ist der Chorturm der katholischen Pfarrkirche St. Andreas. Das Turmuntergeschoß stammt aus dem 14. Jahrhundert. 1499 wurde er, wie die Jahreszahl am oberen Schalloch der Nordseite zeigt, erhöht. In der heutigen Sakristei im Turmuntergeschoß, vormals Chorraum, ist das Kreuzrippengewölbe sichtbar. Eine Sakramentsnische mit geringen Resten einer Wandmalerei befindet sich in der Ostwand. 1760/62 wurde seitlich an den gotischen Turm eine neue Kirche, ein Saalbau mit fünf Fensterachsen, angebaut. Während des Zweiten Weltkrieges, der den Ort zu 85% zerstörte, wurde auch die Kirche schwer beschädigt und das Inventar vernichtet. Beim Wiederaufbau 1948/49 wurde der dreiseitig geschlossene Chor durch einen eingezogenen Rechteckchor ersetzt. 1957 erhielt der Turm auch seinen versetzten Spitzhelm wieder.

Altheim ist nicht Geburtsort des Speyrer Bischofs Dr. Nikolaus von Weis (*1796, † 1869) doch verbrachte er in Altheim einen Teil seiner Jugend. An ihn erinnert eine Büste vor der Kirche. Auf der Flur „Hinterm Legen“ gemahnt ein hohes Eichenkreuz an grausame Kriegsereignisse des Winters 1944/45. Der verdiente Heimatforscher Helmut Lambert hat eine Gedenktafel in Form eines Eisernen Kreuzes angebracht. Es erinnert an den ehemaligen deutschen Soldatenfriedhof, der sich einst in der Nähe befand. „Von den 144 Gräbern waren 69 unbekannte Soldaten. Diese Soldaten fanden bei den schweren Kämpfen im Kriegswinter 1944/45 in Altheim und Umgebung den Tod. Die meisten der unbekannten Soldaten starben durch Erschießen.“ Von Altheimer Einwohnern, die während der Kampfhandlungen noch im Ort waren, wurde berichtet, daß „des öfteren von der SS Erschießungen am Legen vorgenommen worden seien; an Soldaten, die sich weigerten, in den sinnlosen Kampf zu gehen.“

Zur Geschichte von Aßweiler

An der Quelle des Mandelbaches, am Fuße des Hölschberges, liegt der Ort Aßweiler. Er tritt erstmals am 28.7.1421 in einem Hochgerichtsweistum als „freie Hofstatt“ in die urkundlich belegte Geschichte ein. 1553 wird er in einem Bericht des Kurtrierischen Amtmannes Hans Sulger als „Gut“ genannt. Daß schon in der Römerzeit hier Menschen lebten, bezeugen einige Fundamente und Mauerreste aus dieser Zeit. Ein Faustkeil aus der Jungsteinzeit (4.500 - ca. 3.000 v. Chr.) wurde erst 1989 gefunden. Im 16. und 17. Jahrhundert soll die Ansiedlung, aus der sich nach und nach Aßweiler entwickelte, im Besitz der Herren von Eltz gewesen sein. Der Bann wurde 1660 als Kurtrierisches Lehen von der Familie von der Leyen erworben, in deren Besitz er bis 1793 blieb. 1783 zählte der Ort erst 10 Einwohner. Die Banngrenzen waren zu jener Zeit noch nicht klar geregelt, so daß es zu heftigen Dorffehden kam und ganze Ortschaften gegeneinander stritten, so auch Aßweiler gegen das benachbarte Niederwürzbach. Die jetzige Gemarkung wurde erst 1805 vermessen.
 
Kirchlich gehören die Katholiken des Ortes seit 1777 zur Pfarrei Biesingen, wo sie auch den Gottesdienst besuchten. Der Bau der katholischen Kirche in Aßweiler geht auf ein Gelübde hiesiger Männer im Ersten Weltkrieg zurück, die versprachen, eine Kapelle zu bauen, falls sie den Krieg unversehrt überstehen würden. Bedingt durch die politischen Verhältnisse wurde erst im Jahre 1950 ein Kirchenbauverein gegründet. Wegen der stark angestiegenen Bevölkerungszahl nahm man vom Bau einer Kapelle Abstand und beschloß, eine große Kirche zu errichten. Der für Aßweiler zuständige Pfarrer aus Biesingen war gegen einen Neubau im Ort und wurde wahrscheinlich durch den Boykott der einheimischen Männer, die wegen seiner negativen Einstellung nun andere Gotteshäuser besuchten, in seiner Haltung umgestimmt. Der Entwurf der Kirche stammt vom Leiter des Bischöflichen Bauamtes in Speyer, Wilhelm Schulte. Es ist eine schlichte Wandpfeilerkirche mit offenem Dachstuhl. Über der Eingangshalle erhebt sich ein verputzter Frontturm. „Nach außen hin“ - so der Wunsch des Baumeisters Schulte - „soll der Bau nur durch einfache Massen wirken. Diese sind bewußt etwas schwer vorgesehen, damit sich die Kirche dem Menschenschlag und dem Boden der Landschaft anpaßt.“ Am 28.6.1952 wurde feierlich der Grundstein gelegt für diese Filialkirche. Die Bevölkerung half mit Eigenleistungen und Spenden tatkräftig beim Bau der Kirche mit, so daß sie bereits am 11.11.1953 zu „Ehren der seligsten Jungfrau Maria, in den Himmel aufgenommen“ geweiht werden konnte. Bildhauerische Sandsteinarbeiten am Portal und im Kircheninnern stammen von dem einheimischen Bildhauermeister Alois Dauer. Vor der Kirche steht auf einer schlanken Sandsteinsäule eine bronzene Marienstatue. Dieses von Helmut Schollenberger entworfene Marienbild stiftete 1995 der ehemalige Aßweiler Pfarrer Alfons Wilhelm.
 
Einen schönen Blick auf Aßweiler kann man vom Hölschberg aus genießen. Der Ort liegt auf einer völlig waldlosen Hochfläche, deren Wiesen einen geeigneten Standort für die umfangreichen Obstbaumanlagen bieten.

An der Quelle des Mandelbaches, am Fuße des Hölschberges, liegt der Ort Aßweiler. Er tritt erstmals am 28.7.1421 in einem Hochgerichtsweistum als „freie Hofstatt“ in die urkundlich belegte Geschichte ein. 1553 wird er in einem Bericht des Kurtrierischen Amtmannes Hans Sulger als „Gut“ genannt. Daß schon in der Römerzeit hier Menschen lebten, bezeugen einige Fundamente und Mauerreste aus dieser Zeit. Ein Faustkeil aus der Jungsteinzeit (4.500 - ca. 3.000 v. Chr.) wurde erst 1989 gefunden. Im 16. und 17. Jahrhundert soll die Ansiedlung, aus der sich nach und nach Aßweiler entwickelte, im Besitz der Herren von Eltz gewesen sein. Der Bann wurde 1660 als Kurtrierisches Lehen von der Familie von der Leyen erworben, in deren Besitz er bis 1793 blieb. 1783 zählte der Ort erst 10 Einwohner. Die Banngrenzen waren zu jener Zeit noch nicht klar geregelt, so daß es zu heftigen Dorffehden kam und ganze Ortschaften gegeneinander stritten, so auch Aßweiler gegen das benachbarte Niederwürzbach. Die jetzige Gemarkung wurde erst 1805 vermessen.
 
Kirchlich gehören die Katholiken des Ortes seit 1777 zur Pfarrei Biesingen, wo sie auch den Gottesdienst besuchten. Der Bau der katholischen Kirche in Aßweiler geht auf ein Gelübde hiesiger Männer im Ersten Weltkrieg zurück, die versprachen, eine Kapelle zu bauen, falls sie den Krieg unversehrt überstehen würden. Bedingt durch die politischen Verhältnisse wurde erst im Jahre 1950 ein Kirchenbauverein gegründet. Wegen der stark angestiegenen Bevölkerungszahl nahm man vom Bau einer Kapelle Abstand und beschloß, eine große Kirche zu errichten. Der für Aßweiler zuständige Pfarrer aus Biesingen war gegen einen Neubau im Ort und wurde wahrscheinlich durch den Boykott der einheimischen Männer, die wegen seiner negativen Einstellung nun andere Gotteshäuser besuchten, in seiner Haltung umgestimmt. Der Entwurf der Kirche stammt vom Leiter des Bischöflichen Bauamtes in Speyer, Wilhelm Schulte. Es ist eine schlichte Wandpfeilerkirche mit offenem Dachstuhl. Über der Eingangshalle erhebt sich ein verputzter Frontturm. „Nach außen hin“ - so der Wunsch des Baumeisters Schulte - „soll der Bau nur durch einfache Massen wirken. Diese sind bewußt etwas schwer vorgesehen, damit sich die Kirche dem Menschenschlag und dem Boden der Landschaft anpaßt.“ Am 28.6.1952 wurde feierlich der Grundstein gelegt für diese Filialkirche. Die Bevölkerung half mit Eigenleistungen und Spenden tatkräftig beim Bau der Kirche mit, so daß sie bereits am 11.11.1953 zu „Ehren der seligsten Jungfrau Maria, in den Himmel aufgenommen“ geweiht werden konnte. Bildhauerische Sandsteinarbeiten am Portal und im Kircheninnern stammen von dem einheimischen Bildhauermeister Alois Dauer. Vor der Kirche steht auf einer schlanken Sandsteinsäule eine bronzene Marienstatue. Dieses von Helmut Schollenberger entworfene Marienbild stiftete 1995 der ehemalige Aßweiler Pfarrer Alfons Wilhelm.
 
Einen schönen Blick auf Aßweiler kann man vom Hölschberg aus genießen. Der Ort liegt auf einer völlig waldlosen Hochfläche, deren Wiesen einen geeigneten Standort für die umfangreichen Obstbaumanlagen bieten.

Zur Geschichte von Ballweiler und Wecklingen

Ballweiler liegt in einer Art Bucht zwischen dem Hölsch- und Kalbenberg. Von beiden Bergen hat man einen ausgezeichneten Blick auf den Ort und weite Teile des Saarpfalz-Kreises. Der Kalkstein des Naturschutzgebietes Kalbenberg ist bekannt für seinen Reichtum an Fossilien. Botaniker finden dort neben der Küchenschelle, einem typischen Vertreter der Steppenheide, auch seltene Orchideenarten. Bei Entomologen hat der Kalbenberg einen Namen durch seine Artenvielfalt an Großschmetterlingen. Am Kalbenberg fand von den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ein bedeutender Abbau des Oberen Muschelkalkes statt. Die Kalksteine wurden über eine 2,8 km lange Drahtseilbahn bis zum Kalkwerk Blickweiler befördert. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges boten die Stollen des Bergwerkes den Bewohnern der umliegenden Orte Schutz vor Bomben und Granaten.

Ballweiler, dessen Name von „Ballo“, einem fränkischen Sippenführer, abgeleitet wird, ist erstmals 1231 schriftlich erwähnt und gilt als Tochtersiedlung des heute kleineren Stadtteiles Wecklingen: „Albertus, Ritter, genannt zu Munt, übergibt dem Kloster Wörschweiler zu ewigem Almosen seinen Zehnten zu Ballweiler und außerdem das Patronatsrecht an der Kirche von Wecklingen.“ Im 14. Jahrhundert kamen beide Orte in kurtrierischen Besitz und wurden je zur Hälfte als Lehen vergeben. Inhaber dieses Lehens wurden zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Herren von Eltz, die sich um 1554/55 in Wecklingen ein Schloß erbauten, nach dem sich eine nur kurz existierende Linie dieses Geschlechts benannte. Die Herren von Eltz-Wecklingen führten - nach den Bitt- und Beschwerdebriefen der Bauernschaft und der angrenzenden Territorialherren zu schließen - ein despotisches Regime. 1560 soll das Wecklinger Schloß von den Bauern geplündert worden sein. 1659/1660 kaufte die Familie von der Leyen das Wecklinger Schloß mit Rechten und Leibeigenen in den beiden Dörfern. Im Schloß wurde ein Hofgut eingerichtet. Mit der Französischen Revolution kam 1793 auch das Ende des Schlosses. Nach Beschluß der Regierung wurde es abgerissen und die Baumaterialien versteigert. Ein Kapitell von dem Schloß befindet sich im Pfarrgarten in Ballweiler. Die katholische Pfarrkirche St. Joseph in Ballweiler, deren neobarocke Einflüsse deutlich erkennbar sind, wurde 1929 unter großer Mithilfe der einheimischen Bevölkerung nach Plänen von Albert Boßlet erbaut. Die mächtige Haube des Chorflankenturmes bietet weithin sichtbar einen reizvollen Blickfang. Die sich gut der Landschaft anpassende Kirche ist eine weite, tonnengewölbte Halle zu sechs Jochen, daran angelehnt ist ein schmales Seitenschiff. Im Chor führen zwei barockisierende Zugänge zu kleinen Nebenräumen, die als Sakristei dienen, wobei der südliche zugleich Unterbau des großen Turmes ist. Durch einen überdachten Verbindungsgang gelangt man von dort aus zum Pfarrhaus. Die Schäden durch Granateinschläge während des Zweiten Weltkrieges wurden nach 1945 behoben, 1990/91 wurde die Kirche renoviert. Bei der Innenausstattung ist die große Pieta des Blieskasteler Bildhauers Karl Riemann (1931) hervorzuheben.

Ballweiler ist Geburtsort des Malers und Akademieprofessors Karl Johann Becker-Gundahl (1856-1925). Heute ist Ballweiler ein aufstrebender und als Wohn- und Wochenendgebiet beliebter Ort, wie die in den letzten Jahren entstandenen Gebäude zeigen.



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Zur Geschichte von Biesingen

Fährt man von Blieskastel auf der Chaussee Richtung Sarreguemines, sieht man auf der Höhe schon von weitem den Stadtteil Biesingen, dessen Ortskern sich um die alles überragende Kirche gruppiert. Diese bietet immer wieder ein vielbeachtetes Fotomotiv, wenn sich an späten Sommerabenden ihre Silhouette vor dem Rot der untergehenden Sonne erhebt. Von der Jungsteinzeit (4.500 - ca. 3.000 v. Chr.) über die Zeit der Römer bis zur fränkischen Landnahme im 5. Jahrhundert n. Chr. bezeugen archäologische Funde die Besiedlung der Gemarkung. Terra Sigillata-Tonscherben des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts stammen aus dem benachbarten Blickweiler. In einem Frauengrab der Merowinger (450 - 720 n. Chr.) wurde u. a. ein Gürtel, eine Halskette aus Glas-, Bernstein-, Ton- und Emailperlen nebst einer versilberten Radfibel aus Bronze gefunden. 1206 wurde das Dorf erstmals als „Bunsingen“ schriftlich erwähnt. Der Ortsname wird als Niederlassung eines Führers namens „Bunizo“ gedeutet. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts kam es in kurtrierischen Besitz. Im 16. Jahrhundert kam die Hälfte des Ortes als Lehen an die Familie von Eltz, ein kleinerer Teil gelangte durch Erbfolge an die Herren von St. Ingbert, bis 1659/60 die Familie von der Leyen den Ort endgültig als Lehen erwarb. In der Herrschaft Blieskastel der Grafen von der Leyen gehörte Biesingen zur Meierei Gersheim. Während der Koalitionskriege (1792 - 1794) fand am 17.11.1793 eine erbitterte Schlacht um die Biesinger Höhe zwischen den Truppen des französischen Generals Hoche und den alliierten Truppen des Generals von Kalkreuth statt. Die Franzosen, deren Verluste „unübertrieben 900 bis 1.000 Mann“ waren, wurden zurückgeschlagen, konnten am Folgetag aber nach dem Rückzug der gegnerischen Truppen diesen „wichtigen Posten“ einnehmen.

 1777 wurde vom Bischof in Metz, zu dessen Bistum der Ort damals gehörte, wieder eine katholische Pfarrei eingerichtet. Die heutige Pfarrkirche St. Anna wurde 1904/05 nach Plänen des Architekten August Barth, königlich-bayerischer Lehrer am Gewerbemuseum in Kaiserslautern, errichtet. Die Vorgängerkirche, die baufällig und zu klein war, wurde abgerissen. Bereits 1892 hatte der Vorstand des Kirchenbauvereines einen „Aufruf!“ verfaßt, worin es hieß: „Die Pfarrei Biesingen (Rheinpfalz) befindet sich in einer Nothlage, wie wohl im weiten Deutschland selten mehr eine zu finden ist. - Die armen Bergleute haben ein so kleines Kirchlein, daß über die Hälfte der Kirchenbesucher keinen Platz findet.“ 1905 wurde die neugotische Saalkirche mit ihrem schlanken Turm eingeweiht. Es ist ein Sandsteinbau mit fünf Fensterachsen und offenem Dachstuhl, sowie einem dreiseitig geschlossenem, kleinem Chorraum mit angebauter Sakristei. Zu ihrer eindrucksvollen Erscheinung trägt auch die weitgehend erhaltene ursprüngliche Ausstattung aus der Erbauungszeit bei. Der Zweite Weltkrieg ging auch an der Biesinger Kirche nicht spurlos vorüber. So mußten 1941 laut „Führerbefehl“ die Glocken von allen Kirchen geholt werden, „um den Endsieg zu erringen“. Auch die Biesinger Pfarrei mußte drei Glocken abgeben und durfte nur die kleinste als Notgeläut behalten. Am 15.3.1945 haben einige unerschrockene Männer aus Biesingen schweres Unheil von ihrer Heimatgemeinde abgewendet. Sie entfernten heimlich aus dem Kirchturm den Sprengstoff, der von einer SS-Einheit dort angebracht worden waren. Denn der Turm, der als Richtpunkt für die anrückende feindliche Artillerie hätte dienen können, sollte noch kurz vor Kriegsende gesprengt werden. Zwei Tage später kamen SS-Leute ins Dorf, um den Turm zu sprengen. Sie suchten vergebens nach den Munitionskisten und verließen, als auch der Pfarrer nicht aufzufinden war - er hielt sich versteckt - das Dorf mit der Drohung: „Wir kommen wieder!“ Aber nicht sie, sondern die Amerikaner kamen . Das war am 17.3.1945. Dies bedeutete für Biesingen das Ende des Krieges. So haben in allerletzter Minute beherzte Männer die Zerstörung der Kirche und der angrenzenden Häuser verhindert.

1988 bis 1995 wurde die Kirche innen und außen renoviert, immense Schäden verursachte ein Orkan im August 1992, der den 49 m hohen Kirchturm so schwer beschädigte, daß der Turmhelm komplett abgenommen werden mußte. In der Außenanlage steht auf einer Säule eine Christusstatue aus einem gelbem feinkörnigem Sandstein auf einem roten Sockel, die 1995 der ehemalige Pfarrer Alfons Wilhelm stiftete. Zur denkmalgeschützen Innenausstattung zählt auch eine Anna Selbdritt-Gruppe, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts für eine Kirche bei Trier geschaffen, die 1916 gekauft und 1958 restauriert wurde.  

Zur Geschichte von Bierbach

Bierbach liegt am rechten Ufer der Blies. Die Siedlung entstand an der Mündung des im Pirmannswald entspringenden kleinen Gewässers mit dem Namen Grohbach und ist in einer Urkunde vom Jahre 1230 bei einem Gütertausch des benachbarten Klosters Wörschweiler erstmals erwähnt. „Bier“ ist aus dem althochdeutschen „buri“ oder „bur“, d.h. Gebäude, entstanden. Möglicherweise wurde von den ersten Siedlern der Bach nach den damals noch vorhandenen römischen Hausüberresten „Buribach“ genannt, was sich im Laufe der Jahrhunderte zu dem heutigen Namen wandelte. 1927 wurde im Bierbacher Klosterwald ein gallo-römischer Tempelbezirk ausgegraben. Er bestand aus einer großen Einfriedungsmauer und verschiedenen baulichen Anlagen. Hierzu zählten auch zwei Tempel, die durch einen gemeinsamen Umgang zu einem Doppeltempel zusammengefaßt wurden. Der Tempel war vermutlich dem Gott Merkur und seiner Gefährtin, der Göttin Rosmerta, geweiht. Ein großer Münzfund gibt über die Datierung des Tempelbezirkes Auskunft. Demnach bestand dieser seit Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. bis zum Ende des 4. Jahrhunderts. 1924 fand man im Ort die Fundamente einer römischen Prachtvilla, die etwa zur gleichen Zeit wie der Tempelbezirk bestanden hatte. Der 68 m langen Hauptfassade war eine Säulenhalle vorgelagert. Zentrum des 21 Räume umfassenden Gebäudes war ein großer Saal mit einem vier Meter breiten Portal. Im Vorhof gegenüber dem Säuleneingang erhob sich einst das prächtig verzierte Grabmonument, das bereits 1809 von dem Blieskasteler Archivar und Friedensrichter F.C. Dercum teilweise ausgegraben wurde. Teile des Grabmales sowie dessen Rekonstruktion befinden sich in Speyer im Historischen Museum der Pfalz.

In der Reformationszeit wurde das Kloster Wörschweiler vom Herzog von Pfalz-Zweibrücken aufgelöst. Zu diesem Herzogtum gehörte Bierbach bis zur Französischen Revolution. Im Zuge der Neuordnung der deutschen Länder kam es dann 1816 zum bayerischen Rheinkreis.

Die Gemarkung von Bierbach liegt bis auf einen kleinen Geländeteil im Bliestal auf Böden aus Buntsandstein, die für eine landwirtschaftliche Nutzung nur sehr beschränkt nutzbar und größtenteils mit Wald, vornehmlich Buchenwald, bedeckt sind. Früher diente der Wald den Einwohnern als Viehweide, heute lädt ein gut ausgebautes Netz an Wanderwegen zu einem beschaulichen Waldspaziergang ein. Auch der Fischfang in der Blies war für die Bewohner von Bierbach ein wichtiger Erwerbszweig. Aufgrund der für eine landwirtschaftliche Nutzung benachteiligten Lage versuchte schon die herzogliche Regierung in Zweibrücken das Los der Einwohner zu bessern - zumeist jedoch ohne Erfolg. In herzoglichen Dekreten wurde auch auf die nützliche Verwendung der Korbweiden an der Blies aufmerksam gemacht. Das Korbflechten entwickelte sich daraufhin am Ort zu einer handwerklichen Kunstfertigkeit. Noch heute werden die Einwohner im Volksmund als „Korbmacher“ bezeichnet. Der wirtschaftliche Aufschwung des Ortes war eng mit der Ansiedlung der Dingler-Werke AG (1922) verbunden, Anfang der 60er Jahre waren dort mehrere hundert Personen beschäftigt.

1910 wurde die protestantische Kirche nach Plänen von C.M. Rey aus Kaiserslautern errichtet. Es handelt sich um einen einfachen Saalbau mit einem kurzen Chorraum und angebautem Glockenturm. Sie gilt als ein gutes Beispiel für eine Dorfkirche im neobarocken Baustil. Die katholische Pfarrkirche Heiligstes Herz Jesu, ein Betonbauwerk mit winkelförmigem Grundriß, wurde 1963 fertiggestellt.


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Zur Geschichte von Blickweiler

Blickweiler liegt am rechten Ufer der Blies am Übergang zwischen Buntsandstein und dem Muschelkalk des Bliesgaues. Es ist uralter Siedlungsboden, wovon zwei Steinbeile aus der jüngeren Steinzeit (4.500 v. Chr. - 3.000 v. Chr.) Zeugnis ablegen; auf dem Bann befinden sich auch Hügelgräber aus vorrömischer Zeit.

Die bedeutendsten römischen Funde sind u. a. ein Säulenkapitell, eine Glasurne mit Leichenbrand sowie Reste von Töpferöfen. Die dazugehörigen Werkstätten waren auf die Herstellung von Terra Sigillata-Tonwaren spezialisiert. Hiermit wird ein besonders feines römisches Tafelgeschirr bezeichnet, das sich durch einen glänzenden roten Überzug auszeichnet. Neben unverzierter glatter Ware gab es mehr oder weniger reich mit Reliefs verzierte Gefäße. Diese plastische Verzierung zieht sich wie ein Fries um das Geschirr und wurde mit Hilfe von Formen hergestellt. Im Motivschatz der Stempel, der sog. Punzen, finden sich Pflanzen-Ornamente, Götterbilder, Jagd- und Liebesszenen. Etliche der Blickweiler Meister sind namentlich bekannt, da sie auch häufig das Gefäß mit ihrem Namen stempelten. Die Aufnahme der Produktion in Blickweiler fällt in die Zeit um 120 n. Chr. Die Absatzgebiete erstreckten sich bis nach Britannien und in den Donauraum. Allzulange dauerte der Betrieb nicht. Bereits um die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. hatte der Wettbewerb so stark zugenommen, daß die Brennöfen in Blickweiler erloschen. Bedeutende Beispiele von Terra Sigillata-Tonwaren aus Blickweiler sind in Saarbrücken im Museum für Vor- und Frühgeschichte ausgestellt.

Urkundlich erscheint der Ort erstmals im Mettlacher Urbar (9. bis 11. Jahrhundert). In diesem Güterbestandsverzeichnis wird berichtet, daß Folmar von Furpach um 1191 der Abtei Mettlach Besitzungen in „Blickwilre“ schenkte. Wichtigster Grundherr wurde das Kloster Gräfinthal als Zehntherr, das hier einen Hof mit über 150 Morgen Grundbesitz besaß. Ursprünglich war es wohl ein von den Burgmännern der Grafen von Blieskastel besetzter Fliehhof, der 1243 von der Gräfin Elisabeth von Blieskastel, der Gründerin des Klosters Gräfinthal, dem Kloster zum Geschenk gemacht wurde. Von 1339 an gehörte das Dorf zum kurtrierischen Amt Blieskastel. 1660 erhielt die Familie von der Leyen dieses Amt mit Blickweiler als Lehen. Infolge der Französischen Revolution mußte die Gräfin Marianne von der Leyen 1793 aus dem Amt Blieskastel fliehen. Im gleichen Jahr wurde auch der hiesige Grundbesitz des Klosters Gräfinthal versteigert und großteils von den Blickweiler Dorfbewohnern erworben. In der Folgezeit teilte die Gemeinde das politische Geschick der angrenzenden Orte im Saarpfalz-Kreis.

Das alte Dorf Blickweiler wurde in einer hochwasserfreien Lage auf einer Bliesterrasse erbaut. Auf einer Karte aus dem Jahre 1563 war das Dorf auf der der Blies abgewandten Seite noch von einem Zaun umgeben. Der Abhang zum Bliestal hin gewährte einen natürlichen Schutz. Der alte Kern des Ortes gruppierte sich in unregelmäßigem Grundriß um die Kirche. Die der Hl. Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute, geweihte Kirche, ursprünglich St. Romaricus gewidmet, wurde 1733 und 1928 umgebaut und jeweils erweitert. Bei der Renovierung 1964 wurde auch das neue Altarbild der Schutzheiligen von dem Künstler Ernst Alt gefertigt. Der älteste Teil des Gotteshauses ist der Turm aus dem 12./13. Jahrhundert. Mit seinem zweiseitigen Satteldach gehört er neben anderen wie z.B. dem Walsheimer und Wolfersheimer Turm zur Gruppe der sog. „Hornbacher Türme“. Über zwei Sockeln erheben sich zwei Stockwerke, die sich durch Abschrägungen voneinander abheben. Im oberen Teil des Turmes befinden sich aneinandergrenzende spitzbogige Schallöffnungen, die durch einen einfachen profilierten Stab voneinander getrennt werden. An den alten Dorfkern schließen sich noch kleinere Arbeiterbauernhäuser an.


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Zur Geschichte von Blieskastel

Zeugnis von der frühen Besiedlung Blieskastels legt der 7 m hohe „Gollenstein“ ab. Vor etwa 4000 Jahren errichtet, gilt er als der größte Menhir Mitteleuropas.
Die Gründungsgeschichte des Ortes selbst liegt im Dunkeln. Die vermutete, aber durch nichts belegte Abstammung des Namens von einem römischen „Castellum ad Blesam führte immer wieder zu phantasievollen Interpretationen und lebhaften Deutungsversuchen.
1098 tritt Blieskastel mit dem Grafen Gottfried, comes de Castele, erstmals in die urkundlich belegte Geschichte ein. Nach dein Tod des letzten Bliesgaugrafen, des Heinrich von Castel 1273, verstand es seine Tochter Elisabeth, die Gründerin des Klosters Gräfinthal, gegen ihre Mutter und ihre sechs Schwestern die Grafschaft Blieskastel zu behaupten und löste damit langwierige Erbstreitigkeiten aus. 1284 veräußerte der nunmehrige Besitzer der Burg, Heinrich von Salm, seinen Besitz an den Bischof Burkhard von Metz. Zwei Jahre später erließ dieser den sogenannten „Freiheitsbrief“, in dem Blieskastel erstmals als Wohnort, als Dorf „ Villa Castris, genannt wurde. 1326 erfolgte die Verpfändung Blieskastels durch den Bischof von Metz an die lothringischen Herren von Finstingen. Seit 1337 endgültig im kurtrierischen Besitz, überließ Erzbischof Jakob aus Geldnöten die Hälfte der Rechte dem Ritter Friedrich von Lewenstein. Auf seinem Kriegszug gegen Trier überfiel 1522 Franz von Sickingen den kleinen Flecken Blieskastel und brannte ihn nieder. Die fortdauernde finanzielle Misere führte 1553 abermals zur Verpfändung Blieskastels, diesmal an den Grafen Philipp II. von Nassau-Saarbrücken. Dieses Geschlecht wollte aber nach der Kündigung der Pfandschaft das kurtrierische Amt Blieskastel mit dem gleichnamigen Ort nicht mehr herausgeben und mußte 1634 durch den Erzbischof Christoph von Sötern mittels Gewalt dazu gezwungen werden. Mittlerweile forderte auch der Dreißigjährige Krieg seinen Blutzoll im Bliesgau. So befanden sich nach einem Bericht aus dem Jahre 1651 im ganzen Amt Blieskastel nur noch 47 Haushaltungen, lediglich vier davon in Blieskastel.

Die Entwicklung Blieskastels oft als „barockes Kleinod“ des Saarlandes bezeichnet, ist eng mit dem Geschlecht derer von der Leyen verknüpft. Diese uralte, von der Mosel stammende Familie erhielt erstmals 1456 durch die Heirat des Georg 1. von der Leyen mit der Eva Mauchenheimer Rechte und Güter in und um Blieskastel. Ein glücklicher Umstand für die von der Leyen und ihre Familienpolitik war die Wahl Carl Caspars von der Leyen zum Kurfürsten und Erzbischof von Trier im Jahre 1652. Mit politischer Weitsicht und mit den nötigen Geldmitteln versehen, erkannte Carl Caspar die günstige Gelegenheit, die sich der Familie nun nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges bot, im Amt Blieskastel zu einer zusammenhängenden Besitzung zu gelangen. Der im Bliesgau ansässige Adel war durch die Kriegszerstörung seiner Güter verarmt und somit bereit, seine unrentabel gewordenen Besitz- und Lehensrechte zu veräußern. Mit der finanziellen Unterstützung seiner beiden Brüder, der Freiherren Hugo Ernst und Damian Hartard, später Kurfürst von Mainz, betrieb Carl Caspar von der Leyen in den folgenden Jahren beharrlich und systematisch die Ausweitung des Leyenschen Besitzes im Bliesgau. In seiner Amtseigenschaft als Kurfürst von Trier übertrug er mit Zustimmung des Domkapitels am 12. Januar 1660 das Haus und Amt Blieskastel den Freiherren von der Leyen. Dieses Geschlecht hatte nunmehr über mehrere Generationen das Land an der Blies als Mannlehen in seinem Besitz.

Bereits 1661 begannen die Arbeiten am neugeplanten Schloßbau, der an Stelle der alten Burganlage entstehen sollte. Baumeister war der Kapuzinerfrater Bonitius. Mit der Erbauung des noch erhaltenen „Langen Baues, der sogen. „Orangerie“, schufen die Freiherren von der Leyen das wohl eindrucksvollste Renaissancebauwerk in ganz Südwestdeutschland.

Anläßlich der Heirat seines Sohnes Friedrich Ferdinand übereignete Graf Carl Caspar Franz von der Leyen diesem 1733 u. a. das Amt und das Dorf Blieskastel. Friedrich Ferdinand wohnte seitdem mit seiner Familie überwiegend im hiesigen Schloß und siedelte erst 1739, nach dem Tod seines Vaters, zur Amtsübernahme nach Koblenz um.
Der Aufschwung für Blieskastel erfolgte nach 1773, als der regierende Reichsgraf Franz Carl von der Leyen und seine Gemahlin Marianne, geb. Dalberg, aus verschiedenen Gründen ihre Residenz in das hiesige Schloß verlegten. Damit begann die Glanzzeit Blieskastels. Von der regen Bautätigkeit des Grafen zeugen noch heute stattliche Palais im spätbarocken Stil; das heutige Rathaus, vormals Oberamts und Waisenhaus; die Franziskaner. Klosterkirche (die heute sogen. „Schloßkirche sowie der großzügig gestaltete Paradeplatz.

Am 1.Januar 1775 wurde Blieskastel zum Oberamt erhöht. Am 26. September des gleichen Jahres starb der regierende Graf. Seine Witwe, die Reichsgräfin Marianne, übernahm die Amtsgeschäfte für ihren minderjährigen Sohn, den späteren Fürst Philipp von der Leyen. 1793 konnte sich die regierende Reichsgräfin ihrer drohenden Verhaftung durch französische Revolutionstruppen nur durch eine abenteuerliche Flucht entziehen. Das Leyensche Schloß wurde geplündert und zerstört, Blieskastel wurde, wie das ganze linksrheinische Gebiet, von Truppen der Französischen Republik erobert und schließlich 1798 zum Kantons-Hauptort im Saardepartement ernannt.

Als Napoleon, anläßlich dessen Kaiserkrönung im Jahre 1804 die Blieskasteler Bürger den „Napoleons-“, im Volksmund „Schlangenbrunnen«, errichteten - die Schlacht bei Leipzig verlor, stand das zu Frankreich gehörende Gebiet links des Rheins zunächst unter der Zentralverwaltung der siegreichen Staaten. Der Kanton Blieskastel stand seit 1814 Unter einer kaiserlich-königlich-österreichischen und königlich-bayerischen gemeinschaftlichen Lands-Administrations-kommission. Am 14. April 1816 schlossen Österreich und Bayern ein Kompensationsgeschäft, wonach dem Königreich Bayern der „Rheinkreis“, die spätere Pfalz, zugeteilt wurde. Dadurch wurde der Kanton Blieskastel am 1. Mai 1816 der Kreisdirektion Zweibrücken unterstellt. Die hiesige Bevölkerung war jetzt bayerisch.

Anläßlich der Anlegung der wichtigen neuen Straße Blieskastel - Biesingen errichteten 1823 die Bürger des Städtchens Blieskastel“ zur Huldigung des bayerischen Königs die sogen. Maximilian-Säule. Blieskastel ist auch bekannt als Wallfahrtsort. Tausende pilgern jährlich zur historisch interessanten, sagenumwobenen Pieta Unsere Liebe Frau mit den Pfeilen“ in die über 300 Jahre alte Heilig-Kreuz-Kapelle. Vor dieser stehen zwei Schächerkreuze, die als die einzigen Großplastiken des 17. Jahrhunderts im Saarland gelten. Der barocke Kern von Blieskastel selbst wurde 1986 mit 154 Einzeldenkmälern zum Denkmalschutzgebiet „Alt Blieskastel“ erklärt. 1988 wurde die Fußgängerzone eingeweiht, 1994 erhielt die Stadt Blieskastel den Denkmalschutzpreis des Saarlandes für ihren ständigen Einsatz zur Erhaltung des barocken Stadtbildes aus der Zeit der Grafen von der Leyen.

Zur Geschichte von Lautzkirchen und Alschbach

Alschbach und Lautzkirchen gehörten wie Blieskastel zur Herrschaft und späteren Grafschaft Blieskastel und teilten deren politisches Geschick. 1937 wurden beide Landgemeinden in die Stadt Blieskastel eingemeindet. Alschbach, der kleinste der drei Stadtteile, liegt im tief eingeschnittenen Tal des gleichnamigen Baches und endet an der Vereinigung von „Kurzen“ und „Langen Tal“. In letzterem erinnert ein 1995 gesetzter Gedenkstein an die im 14./15. Jahrhundert untergegangene Siedlung Wieblingen. Das heutige Alschbach wird erstmals 1236 urkundlich genannt. Der Ortsnamen leitet sich von einem „Bach bei einem Heiligtum“ her. In älteren Schreibweisen des Ortsnamens ist das altdhochdeutsche „alag“ für Heiligtum oder Kultstätte enthalten. So umfließt der Bach, der dem Ort den Namen gab, einen Berg, auf dem nachweislich in römischer Zeit ein Merkurheiligtum, nach Meinung von Fachleuten auf eine Wodanskultstätte der Germanen zurückgehend, und in christlicher Zeit eine St. Michael geweihte Kapelle gestanden hat.

In der Ortsmitte am „Kleine Steege“ steht ein beschädigtes Steinkreuz, das als das älteste im Stadtbereich von Blieskastel gilt. Der Überlieferung folgend wurde es nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtet. Ein attraktiver Blickfang in der Ortsmitte ist das Wegekreuz, das „1900 die Gemeinde Alschbach zur Ehre Gottes errichtet“ hat. Das am 13.11.1955 geweihte St. Marien-Gotteshaus ist Filialkirche von Lautzkirchen.

Lautzkirchen erscheint erstmals 1180 in einer Urkunde, in welcher Graf Ludwig von Saarwerden dem Kloster Wörschweiler die Schenkung des Besitzes seiner Vorfahren bestätigte. Unter den vielen Zeugen tritt auch „Wecelo, presbiter de Leudeskirchen“ auf. Von der früheren Besiedlung des Ortes zeugen etwa der Fund eines Steinbeiles oder auch die gallo-römischen Grabpfeiler am Roten Fels, einer romantischen Felspartie an der Kirkeler Straße.

Der Stadtteil Lautzkirchen liegt an der Einmündung des Kirkeler Baches in den Würzbach, nahe am Rand der Bliestalaue. An die Weiher, die vormals an den beiden Bächen lagen, erinnert noch der Straßennamen „Am Papierweiher“. An diesem wurde 1694/95 von drei Gesellschaftern eine Papiermühle erbaut, deren Anteile dann sämtlich in Besitz der Grafen von der Leyen übergingen. Zu ihrer Zeit war sie die einzige Papiermühle zwischen Rhein und Mosel und wurde später zu einer Öl-, Loh- und Gipsmühle. Heute wird dort ein Sandwerk betrieben. Der Necknamen „Lumpensammler“ für die Lautzkircher Einwohner rührt noch aus der Zeit der Papiermühle, als das Papier aus alten Lumpen hergestellt wurde.

Zwei Gebäude in der Pirminiusstraße erinnern an die Zeit der Freiherren und später Grafen von der Leyen. Das Wohnhaus aus dem 17. Jahrhundert mit der Nr. 22, ein traufständiger, zweigeschossiger Putzbau, war Teil eines Hofgutes der Grafen von der Leyen. Auch das Hauptgebäude des einstigen Hofgutes, Pirminiusstr. 19, direkt gegenüber gelegen und heute als Wohnstätte mit Gasthaus genutzt, zeigt annähernd seinen originalen Zustand. Früher gab es einen unterirdischen Verbindungsgang zwischen beiden Gebäuden. Als Mittelpunkt des Leyenschen Hofgutes und jahrzehntelang im Besitz der Familie des Johann Simon Rosinus (* 1642 - † 1710), des freiherrlich Leyenschen Amtmannes zu Blieskastel, war es in seiner Architektur entsprechend reicher gestaltet. Besonderheiten sind der über Eck angeordnete Hängeerker mit seinen floralen Ornamenten und der Treppenturm mit seinem Pyramidendach auf der Hofseite. In der Denkmalliste wird beiden Häusern ein hoher Situationswert zugesprochen.

Beherrschendes Gebäude in der Ortsmitte ist die Katholische Kirche St. Mauritius. Am 25.9.1960 wurde die nach Plänen des Speyerer Diözesan-Baurates Schulte erbaute Kirche geweiht. Bekannt sind die Lichtreflexe, welche durch die großen farbigen Fenster im Kircheninnern hervorgerufen werden. Von dem Kirchturm erklingt seit dem Jahre 2000 ein Glockenspiel von 28 Glocken, davon elf Läuteglocken. Das Läuteglockenensemble mit seinen fünf "Schilling"- und sechs "Paccard"-Glocken stellt an Größe und Qualität eine Einmaligkeit dar, ihm wird eine überragende Bedeutung im deutschen Glockenwesen zugesprochen. Dreimal am Tag, um 8.32, 12.32 und 19.32 Uhr, erklingen nach den kirchlichen und weltlichen Gegebenheiten ausgewählte Melodien. Das Repertoire umfasst hierbei insgesamt 80 Lieder. Am 3. Wochenende im August findet auf dem Platz vor der Kirche das traditionelle „Bohnenfest“, ein Dorffest, statt.

Seit 1978 ist Blieskastel-Mitte aufgrund der reizvollen Landschaft und der heilklimatischen Verhältnisse staatlich anerkannter Kneippkurort. Die Bliestal Kliniken sind am Rande eines ausgedehnten Waldgebietes nördlich des Stadtzentrums im Stadtteil Lautzkirchen angesiedelt. Über 200 km bestens ausgebaute und markierte Wanderwege laden die Gäste zu kurzen oder auch längeren Touren ein. Treffpunkt und Ausgangspunkt für viele Wanderungen ist auch das Terrain der Bliestal Kliniken. Von hier hat man z.B. die Möglichkeit, eine Rundwanderung über den interessanten und informativen Wald- und Vogellehrpfad mit Panoramablick zur Burg Kirkel zu unternehmen.

Zur Geschichte von Böckweiler

Umgeben von Weide- und Ackerland, fernab industrieller Betriebsamkeit und wichtiger Durchgangsstraßen liegt das heute etwa 350 Einwohner zählende Dorf Böckweiler im Südosten des Bliesgaues. Böckweiler gehörte zu den Dörfern, in denen nach der Evakuierung der Bevölkerung 1939 durch deutsche Behörden systematisch Häuser und Wirtschaftsgebäude abgerissen wurden. Es entstanden im einheitlichen Stil des Dritten Reiches ganze Häuserzeilen, bei denen die historischen Bauformen der Westricher Bauernhäuser wieder aufgenommen wurden. Ein Großteil der Bewohner kehrte nicht mehr zurück, so daß der Ort heute wesentlich kleiner als zur Vorkriegszeit ist. Den Dorfmittelpunkt dominieren die Stephanskirche mit dem Lindenbrunnen, der von einer Quelle hinter der Kirche gespeist wird. Diesen gegenüber, auf der anderen Straßenseite, liegt der Dorfweiher, der vor allem an heißen Sommertagen von der jungen Dorfbevölkerung „heiß“ begehrt und dementsprechend frequentiert ist.

Der älteste Beleg für den Ortsnamen „Bickwilre“, der sich Anfang des 19. Jahrhunderts zu der heutigen Schreibweise wandelt, befindet sich auf einer Urkunde des Klosters Hornbach von 1149. Dort wird die Kirche in Böckweiler als Priorat von Hornbach erwähnt. Der Beginn der Baugeschichte der Stephanskirche liegt im Dunkeln. Man kann davon ausgehen, daß sich an ihrer Stelle in vorrömischer und römischer Zeit eine altheidnische Kultstätte, möglicherweise ein Quellheiligtum befand. Über den Mauern des römischen Gebäudes, einer Poststation, fand man Überreste einer dreischiffigen karolingischen Basilika, deren Grundriß dem Besucher durch ausgelegte Steinplatten in der Rasenfläche vor dem Gebäude sichtbar gemacht wird. Noch in romanischer Zeit wurde die Kirche in die heutige Drei-Konchen-Anlage umgebaut, deren Grundriß ein gleichmäßiges Kleeblatt beschreibt. Derartige Anlagen sind im Kirchenbau selten, man findet sie noch am Westchor des Mainzer Domes oder der Ulrichskirche in Avolsheim im Elsaß.

1949/50 wurde die Kirche nach schweren Kriegsschäden wieder aufgebaut, das Langhaus wurde nach Westen hin etwas verlängert. Vor dem Kirchenportal, einem wiederverwendeten romanischen Rundbogengewände, steht ein steinerner Tisch, den man bei den Grabungen im Keller eines benachbarten römischen Hauses geborgen hat. Von der romanischen Ausstattung des ehemaligen Klosters Böckweiler existiert lediglich ein bronzenes etwa 30 cm hohes Vortragekreuz, das im Grabungsschutt gefunden wurde und heute im Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken zu sehen ist. Von den älteren Stücken des Kircheninventars hat sich das Taufgeschirr aus Zinn von 1777 erhalten. Es handelt sich um einen großen Teller und eine Henkelkanne mit breitem Gießstück von hoher Qualität. Die schlichte Innenausstattung unserer Zeit entspricht der protestantischen Tradition, Böckweiler ist seit 1535 evangelisch.

Man hat die auffällige Drei-Konchen-Anlage der Stephanskirche damit in Verbindung gebracht, daß die Kirche in Böckweiler ursprünglich den Hl. Cantius, Cantianus und Cantianilla geweiht war, römischen Geschwistern, die unter Diokletian aufgrund ihres Glaubens der Märtyrertod erlitten. Ob dem so ist, ist fraglich, aber wie auch immer, ein Kleinod romanischer Baukunst ist die Böckweiler Kirche allemal.

Zur Geschichte von Breitfurt

  • Saar-Pfalz-Kreis
  • Saarland
  • Einwohner: 1330
  • Gesamtfläche: 808 ha
  • Höchster Punkt: 401m ü. NN
  • Tiefster Punkt: 210 m ü. NN
  • Sichtbare Spuren erster Besiedlung aus der jüngsten Steinzeit
  • Dann Besiedelung der Kelten – jüngere Eisenzeit
  • Besiedelung durch die Römer um 50 v. Chr.
  • Besiedelung der Alemannen und Franken ca. 500 n. Chr.
  • Urkundlich erwähnt seit dem Jahr 1271
  • Breitfurter Mühle seit dem 15. Jahrhundert, heute größte Mühle links des Rheins
  • Ab 1525 Protestantische Kirchengemeinde
  • Ab 1636 erste Erwähnung eines Lehrers
  • bez. vorhanden sein einer Schule
  • Ab 1900 katholische Kirchengemeinde Mitbetreuung von Bliesdalheim
  • Seit 1970 eigenes Wappen

Zur Geschichte von Brenschelbach und Riesweiler

Im südöstlichen Winkel des Stadtgebietes von Blieskastel liegt der Stadtteil Brenschelbach-Riesweiler unmittelbar an der Grenze zu Frankreich. Als „Brenstelbach“ wird die Gemeinde erstmals 1150 als zum Herzogtum Lothringen gehörig genannt. Der Ortsnamen wird als Bach an einer Brennstelle, vom mittelhochdeutschen „brenstal“ abgeleitet, gedeutet. Der kleinere Ortsteil Riesweiler ist bereits 960 in einer lateinischen Urkunde als „Riswillri“ belegt. Die frühesten Anzeichen menschlicher Besiedlung begegnen uns in Form von Gräbern aus der älteren Hallstattzeit (750 - 630 v. Chr.) und vom Ende der späten Bronzezeit (800 - 750 v. Chr.). Überreste römischen Mauerwerks mit Mörtel, Ziegel und Scherben wurden gleichfalls entdeckt. Brenschelbach und damit auch Riesweiler kam 1333 zur Grafschaft Zweibrücken. Außerdem war auf dem Brenschelbacher Bann die kleinadelige Familie von Blumenau begütert. 1403 war die „Blumenauer Mühle“ im Besitz des Klosters Hornbach. Seit 1453 war Brenschelbach Sitz einer Schultheißerei, zu der auch Riesweiler gehörte. Brenschelbach war im Dreißigjährigen Krieg zerstört und ausgestorben und wurde durch Schweizer Einwanderer neu besiedelt. Riesweiler wurde von drei Familien aus dem benachbarten Peppenkum und Medelsheim wieder aufgebaut. Gegen Ende 18. Jahrhunderts wurden beide Orte der Schultheißerei Althornbach zugeteilt. 1920 kam Brenschelbach zum Kreis Homburg im Saargebiet. 1937 wurde es dem Bürgermeisteramt Altheim angeschlossen, im Jahre 1950 wieder selbständiges Bürgermeisteramt, bis 1974 beide Orte Stadtteile von Blieskastel wurden.

Ältestes Bauwerk in Brenschelbach ist der Turm der protestantischen Kirche. Er stammt aus dem 13./14 Jahrhundert und zählt zur Gruppe der „Hornbacher Türme“. 1904 wurde sein charakteristisches Satteldach in ein Dach mit Helmspitze umgewandelt. Im Erdgeschoß des aus Quadermauerwerk errichteten Turmes ist noch das Kreuzrippengewölbe zu sehen. Die ursprünglich spitzbogige Turmtür wurde 1722 in Form eines Stichbogens verändert. 1928/29 wurde in einer Gemeinschaftsleistung der Gemeinde das Langhaus, eine schlichte Halle mit Chorraum, nach Plänen des Bezirkbaurates Müller aus Homburg erbaut. Nach schweren Beschädigungen im letzten Krieg konnte die Bevölkerung 1950 mit der neuerlichen Weihe der Kirche den Wiederaufbau abschließen. Die letzte größere Renovierung der Kirche erfolgte 1976.

Außerhalb des Ortes am Ormersweiler Weg steht ein stummer Zeuge einer vielfach wechselnden Grenzgeschichte: der sog. „Schwedenstein“. Auf diesem alten Grenzstein ist auf zwei Seiten die Jahreszahl 1597 zu lesen. Auf der Frankreich zugewandten Seite ist das lothringische Doppelkreuz eingeschlagen. Die deutsche Seite zeigt ein Wappenschild mit Rautenmuster und den Buchstaben PZ. Dies steht für die ehemalige Herrschaft Pfalz-Zweibrücken. „Schwedenstein“ wird das alte Grenzzeichen einer Sage nach genannt. Demnach sollen im Dreißigjährigen Krieg die schwedischen Truppen genau bis hierher vorgedrungen sein. Direkt daneben wurde 1989 ein Stein gesetzt, der die Grenze zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland markiert und den Ormesviller vom Brenschelbacher Bann scheidet. Die Buchstaben D und F zeigen an, in welchem Land man sich gerade befindet. Aber im Bereich Brenschelbach/Ormersviller hat die Staatsgrenze seit vielen Jahren für die Bevölkerung keine Bedeutung mehr. Brenschelbach-Riesweiler

Zur Geschichte von Mimbach

Am linken Bliesufer an der Mündung des am Kahlenbergerhof entspringenden Schelmenbaches liegt Mimbach. 1996 feierte der Ort den 1.200sten Jahrestag seiner ersten schriftlichen Erwähnung. Eine Urkunde des Klosters Hornbach besagt, daß Herzog Wido von Lothringen und dessen Bruder Warinus dem Abt Almalard das Dorf Myndenbach zu ihrer Seelenrettung schenkten. Die Abtei wurde dadurch Gerichts- und Grundherr in der Gemarkung, zu der auch die Orte Frieshausen, der heutige Freishauserhof, und Scheldenburn, heute der Grünbacherhof, zählten. Mit der Aufhebung des Klosters Hornbach 1568 fielen dessen Besitzungen an Pfalz-Zweibrücken, bis 1793 teilte nun Mimbach das Geschick dieses Herzogtums. 1816 mit der Pfalz bayerisch geworden, bildete das Dorf bis 1843 mit Webenheim eine Gemeinde. Während der Revolution 1848/49 schlossen sich auch fünf junge Männer aus dem Ort den Aufständischen in der Pfalz an. Unter internationaler Kontrolle fand am 13.01.1935 die Saarabstimmung statt. In Mimbach sprachen sich 99,1% der 494 Wahlberechtigten für die Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich aus, nur vier Stimmen wurden für den Status quo abgegeben. Damit hatte der Ort das höchste Votum für die Rückgliederung abgegeben. Die „Berliner Illustrierte“ brachte einen großen Artikel über die Abstimmung in Mimbach mit dem Foto eines Dankgottesdienstes, der in Wirklichkeit nie stattgefunden hatte. Das Foto war gestellt.

Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Bevölkerung stark gelitten, 1669 waren erst wieder zehn Familien ansässig. Auch die heimische Kirche wurde in Mitleidenschaft gezogen, ein Wiederaufbau war unumgänglich. Das Langhaus erstellte 1767/69 der Inhaber des Großen Zehnten, der Graf von der Leyen in Blieskastel, für den Turmbau mit seiner charakteristischen Haube war der Inhaber des Kleinen Zehnten, die protestantische Kirchenschaffnei in Zweibrücken, verantwortlich. Neben dem im unteren Teil aus dem 14. Jahrhundert stammenden Kirchturm, der 1767 erhöht wurde, steht ein einfacher Rechteckbau mit vier Fensterachsen. Die Kirche wird wegen ihrer Größe auch „Dom des Bliestals“ genannt. Baumeister war der pfalz-zweibrückische Landbaudirektor Hellermann. Ihr Innenraum stellt ein typisches Beispiel für eine calvinistisch-nüchterne Betsaalkirche dar. Die Christus-Kirche wird als die bedeutendste Anlage des protestantischen Kirchenbaus des 18. Jahrhunderts im ganzen Kreisgebiet angesehen. Kanzel und Altarschranken stammen aus der Erbauungszeit. Eindrucksvoll ist das Doppelgrabmal für Johann Adluff von Eltz und Blieskastel († 1574) und seine Gemahlin Katharina von Brandscheid († 1592). Die skulptierten Standfiguren des Ehepaares sind eingerahmt von Wappen als Ahnenprobe und Schrifttafeln im Rollwerkrahmen. Die Jahreszahl 1576 und Initialen HBT auf den Quasten neben dem Kopf der männlichen Figur weisen auf einen Meister HB = Hans Bildhauer aus Trier hin. Mit der Grabplatte des Johann Friedrich von Eltz und Blieskastel († 1609) sind sie die wertvollsten Renaissance-Bildarbeiten der näheren und weiteren Umgebung. Die Inschrift am Grabmal des Johann Adluff von Eltz erinnert an die Sage, die sich um seinen Tod rankt. Der als herrisch beschriebene Graf ließ sich von seinem Wecklinger Schloß zur Kirche nach Mimbach fahren. Die Blies hatte Hochwasser, und der Kutscher wollte daher die Furt nicht überqueren. Der Herr von Eltz befahl es ihm in gebieterischem Tonfall, woraufhin der Kutscher ergeben sagte: „Nun denn in Gottes Namen.“ Daraufhin schrie Johann Adluff: „In Teufels Namen, fahr zu !“ Im reißenden Wasser stürzte die Kutsche um und Johann Adluff ertrank. In den Gassen um die Kirche, dem alten Ortskern, finden sich noch einige denkmalgeschützte Bauernhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert.



mehr zu Mimbach

Zur Geschichte von Niederwürzbach und Seelbach

In einem der schönsten Täler des Saarpfalz-Kreises liegt Niederwürzbach, das sich an beiden Seiten des Würzbaches erstreckt. Es ist anzunehmen, dass das Buntsandsteingebiet um den Ort und das Tal am Bach sumpfig und moorig und daher für Menschen der Früh- und Vorgeschichte nicht von großem Interesse gewesen sein dürfte. Erste Spuren menschlicher Niederlassungen reichen zurück in die Römerzeit. Der angrenzende fruchtbare Bliesgau weist bedeutend ältere Belege menschlicher Besiedlung auf. Der große Waldbestand, eine Folgeerscheinung des landwirtschaftlich unergiebigen Buntsandsteinbodens, ist heutzutage durch Wanderwege gut erschlossen.

Die erste urkundliche Erwähnung von „Wirtzbach bei Casteln“ datiert aus dem Jahre 1087. Der kleinere Ortsteil Seelbach wird erstmals 1180 als „Selebach“ in einer Urkunde genannt. Niederwürzbach war im Mittelalter ein kleiner Ort, um dessen karge Einkünfte mehrere kleine Adelsgeschlechter im Streit lagen. Seelbach wurde im 15. Jahrhundert zur Wüstung und erst in der Réunionszeit (1679-1697) wiederbesiedelt. 1660 ging Niederwürzbach in den Besitz der Freiherren von der Leyen über. Beim Ausbau der Siedlung war vermutlich die Ausnutzung der hier existierenden Wasserkräfte von großer Bedeutung; so wurde bereits 1362 eine Mühle erwähnt. Sie wurde über Jahrhunderte genutzt und das Gebäude selbst erst 1965 abgerissen. Die Anlage des Niederwürzbacher Weihers, heute ein weit über den Saarpfalz-Kreis hinaus bekanntes Naherholungsgebiet, lässt sich bis ins Jahr 1462 zurückverfolgen.

Die Umgebung von Niederwürzbach galt bereits im 18. Jahrhundert als eine der schönsten Landschaften der Leyenschen Grafschaft. Deshalb hatte auch die Reichsgräfin Marianne von der Leyen (1745-1804) Niederwürzbach zu ihrem Sommersitz gewählt und ein repräsentatives Landschloss und einige kleine Land- bzw. Lustbauten rund um den Weiher errichten lassen. Im Auftrag des Erbgrafen Philipp von der Leyen (1766 - 1829) entstand 1782 das Schloß Philippsburg. 1788 war das Schloß in seiner Hauptanlage fertiggestellt. Die vielteiligen Gebäude unterschiedlicher Höhe erstreckten sich am Berghang hinter dem Weiher. Insgesamt gehörten „zwölf Herrschafts-Oekonomien oder Lusthäuser“ zur Philippsburg. 1793 wurde das Schloß durch französische Revolutionstruppen zerstört. Obwohl die Philippsburg in ihrer Innenausstattung nie fertiggestellt worden war, muss diese schon sehr außergewöhnlich und wertvoll gewesen sein. Die Ruine des Schlosses entwickelte sich Anfang des 19. Jahrhundert zu einem beliebten Ausflugsziel für die Bevölkerung der Umgebung und wurde erst Mitte des Jahrhunderts abgerissen; heute befindet sich dort ein Tennisplatz (Privatbesitz).

Von der Schlossanlage steht nur noch das Torhaus. Es wird heute als Forsthaus genutzt. Der Bau ist ursprünglich zweigeschossig gewesen. Man hat ihn verändert und um ein drittes, niedrigeres Geschoss erhöht. Das Gebäude wird als Beleg für das Aufkommen des neugotischen Baugedankens im Bliesgau im ausgehenden 18. Jahrhundert angesehen.

Unterhalb der Philippsburg, am Ufer des Weihers, liegt das Landhaus „Bon voisin“, wegen seines roten Anstriches auch „Maison Rouge“ oder „Roter Bau“ genannt. Im Auftrag von Marianne von der Leyen hatte der gräfliche Bauinspektor Peter Reheis dieses Landhaus gegen Ende der 1780er Jahre erbaut. Das Wohnhaus ist ein schlichter Bau mit einem Mansardedach. Die ganze Landhausanlage ist ein typisches Beispiel einer sogenannten separierten Anlage, d. h. die eingeschossigen Wirtschaftstrakte sind nicht miteinander verbunden. Sie fungieren als Flügelbauten, wodurch der Innenhof dreiseitig umschlossen wird. Der östliche Flügel wurde erst 1829 in Anlehnung an den westlichen erbaut.

Gegenüber dieser Anlage, auf der anderen Weiherseite, ließ sich Gräfin Marianne von der Leyen von ihrem Hofgärtner Simon Glattfelder um 1788 das Ökonomiegut „Annahof“, auch „Runder Bau“ genannt, errichten. An den zweigeschossigen fünfachsigen Wohnbau mit Walmdach schließen sich an beiden Seiten halbkreisförmige, etwas niedrigere Wirtschaftstrakte an, so dass eine ovale Hofumbauung entsteht. Zwei viereckige, massive niedrige Türme mit Zeltdächern flankieren die Hofeinfahrt. Das Gebäude, das sich heute in Privatbesitz befindet, ist in späterer Zeit an seiner Nordseite durch Turm- und Erweiterungsbauten verändert worden. Die eindrucksvolle Wirkung der Anlagen wird besonders deutlich, wenn man die planmäßige Landschafts- und Gartengestaltung mit bedenkt, in die diese Bauten eingebunden waren. So hatte man etwa beim Annahof eine künstliche Ruine „das Altertum“ errichtet. Zudem standen in der Nähe u.a. ein „chinesischer Turm“ und ein „Türkenzelt“. Ob beim Zustandekommen der Landschaftsgestaltung der Gartenkünstler Ludwig von Sckell - wie oft vermutet - tatsächlich beteiligt war, ist aufgrund der bekannten Quellen nicht belegbar. Als Berater fungierte eventuell auch Johann Christian von Mannlich. Die Ausführung lag in den Händen des Leyenschen Hofgärtners Simon Glattfelder.

Am Weiher befindet sich auch das Gut Junkerwald, das vom Königlich-Bayerischen Hofrat Dr. Karl Ehrhardt 1903 angelegt wurde. Die Pläne für die Villa stammen von dem Architekten G. von Hauberisser, der u.a. auch das Rathaus in München erbaute. Die Villa zeigt eine sehr verspielte Architektur und ist stilistisch dem späten Historismus zuzuordnen; einer Stilart, die in der Architektur auf Gestaltungselemente verschiedener Epochen der Vergangenheit zurückgriff. 1955 brannte die Villa bis auf die Grundmauern ab und wurde bis auf einige Veränderungen in ihrer ursprünglichen Form wieder aufgebaut.

Über die englischen Gärten am Würzbacher Weiher ist vor einigen Monaten ein Buch erschienen. 1000 ha große Landschaftsgärten mit entsprechenden Bauten waren demnach vorhanden und es ist Ziel der Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, diese englischen Gärten zumindest teilweise wieder anzulegen.

In der Kirkeler Straße steht die ehemalige Hubertuskapelle. Sie wurde in den Jahren 1738 - 1742 mit Unterstützung des Grafen von der Leyen erbaut. Nachdem sie zwischenzeitlich als Spritzen- und Wohnhaus diente, ist sie seit 1952 im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde. Es ist ein kleiner Barockbau mit Walmdach und dreiseitigem Schluss, mit vier Fensterachsen und einem schiefergedecktem Dachreiter. Unter Denkmalschutz steht gleichfalls eine Relieftafel des St. Hubertus, die vom Bildhauer Mardersteck aus Bockenheim im Jahre 1756 geschaffen wurde.

Auf Anregung des Pfarrers Georg Deck errichteten arbeitslose Bergleute 1931 im Kirkeler Tal eine „Lourdes-Grotte“ als Marienwallfahrtsstätte. 1959 wurden auf dem Weg zur Grotte 14 Kreuzwegstationen des Blieskasteler Bildhauers Karl Riemann neu aufgestellt. Dies ist auch heute noch ein Ort, der zum Verweilen einlädt.


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Zur Geschichte von Altheim und Neualtheim

Im Südosten des Stadtgebietes von Blieskastel, nahe der lothringischen Grenze, liegt in dem unter Naturschutz stehenden Tal der Bickenalb der Stadtteil Altheim. Die Talmulde zählt geologisch zum Oberen Buntsandsteingebiet, während die Hänge bzw. Hochflächen Teil des Unteren Muschelkalkes sind. Erste Spuren menschlichen Lebens waren der Fund eines Steinbeiles und einer neolithischen Pfeilspitze (4.500 - ca. 3.000 v. Chr.). Viel bedeutender sind die Funde aus keltischer und vorkeltischer Zeit. Auf dem bewaldeten Höhenzug zwischen Altheim und Brenschelbach wurden über 40 Hügelgräber untersucht, deren Bestattungen und z. T. Nachbestattungen von der Urnenfelderstufe der späten Bronzezeit (1.200 - 750 v. Chr.) bis in die Frühlatènezeit (450 - um 300 v. Chr.) reichen. Die Grabbeigaben wie z. B. Hals-, Arm- und Beinschmuck aus Bronze und zahlreiche Gefäße zählen heute zum Fundus des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken. Mauerreste belegen die Anwesenheit der Römer. Daß der Ort bereits im frühen Mittelalter existierte, zeigt die Entdeckung eines großen Gräberfeldes aus der Merowingerzeit, das vom Ende des 6. bis zum Ende des 7. Jahrhunderts belegt wurde. Die überdurchschnittlich reichen Grabausstattungen aus Altheim sind ebenfalls im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken ausgestellt. Während in den Männergräbern Waffen wie Kurz- und Langschwerter, Pfeile und Lanzen gefunden wurden, sind die Frauengräber durch Beigabe von Schmuck charakterisiert. Reich verzierte Scheibenfibeln aus Gold oder einer Gold-Silber-Legierung als Teil der merowingischen Frauentracht zählen zu den künstlerisch wie handwerklich bemerkenswertesten Fundstücken. Sie verdeutlichen auch den Reichtum der Verstorbenen. Mit seinen 119 Bestattungen ist das Gräberfeld von Altheim das größte bekannte Gräberfeld der Merowingerzeit im Saar-Mosel-Raum.

Von den Merowingern bis zur ersten schriftlichen Erwähnung „Altheyms“ vergehen 600 Jahre. 1275 vermachte der Pfarrer Folmar zu Altheim all seinen Besitz dem Kloster Hornbach. 1333 verpfändete der Graf von Zweibrücken aus Geldnöten den Ort an seinen Vetter, den Grafen von Zweibrücken-Bitsch. Mit dem Aussterben dieser Linie kam das Dorf 1570 zu dem Herzogtum Lothringen und mit diesem 1766 zu Frankreich. Noch heute findet man im Atheimer Wald Bannsteine mit dem Lothringer Doppelkreuz. Ein Exemplar aus dem Jahre 1753 steht auf dem Vorplatz der Kirche, neben einem Leyenschen Grenzstein aus dem Jahre 1786. Nach dem Tauschvertrag von 1781 fiel das Dorf an die Grafen von der Leyen und kam somit zur Herrschaft Blieskastel.

Dieser Tauschvertrag hatte auch für Neualtheim Gültigkeit. Südlich von Altheim und Böckweiler siedelten sich im Jahre 1699 unter dem Schutz des Bitscher Oberschultheißen de la Cour drei Medelsheimer Bürger an. Nach dem einstigen Hornbacher Klosterhof wurde die Ansiedlung Pinningen genannt. Aufgrund des gemeinsamen Bannes kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Bewohnern des neugegründeten Ortes und denen aus den Dörfern Altheim und Böckweiler, die in der Zerstörung der Pinninger Neubauten gipfelten. 1726 wurden die Zwistigkeiten im „Altheimer Vertrag“ vorübergehend beigelegt. Hierin erhielt der neue Ort auch erstmals den widersprüchlichen Namen Neualtheim. Erst nach der Aufhebung der alten Territorialgewalten wurden Anfang des 19. Jahrhunderts die Gemarkungsgrenzen der drei Gemeinden endgültig festgelegt und somit eine Befriedung der zerstrittenen Dorfbewohner erreicht.

Zur Geschichte von Webenheim

In der Talaue der Blies liegt das 1303 als „Webenauwe“ erstmals erwähnte, auch heute noch bäuerlich geprägte Dorf. Die erste Besiedlung ist aber wohl über 2.000 Jahre älter, wie bronzezeitliche Gräber der Urnenfelderkultur (1.200 - 750 v. Chr.) in der Gemarkung beweisen. Das mittelalterliche Dorf war immer eng mit dem Herrscherhaus im nahen Zweibrücken verbunden. Mit der Pfalz 1816 bayerisch geworden, bildete es bis 1843 mit Mimbach eine Gemeinde. Kirchlich gesehen sind beide immer noch verbunden.

Die konfessionelle Betreuung übernahm das nahegelegene Kloster Hornbach, das 742 von Pirminius gegründet wurde. Im 16. Jahrhundert ging der klösterliche Besitz an die Fürsten von Zweibrücken über, welche die lutherische Lehre im Westrich verbreiteten. Entsprechend dem Grundsatz „cuius regio, eius religio“ (Wessen das Land, dessen die Religion) - frei übersetzt mit: Wess´ Brot ich freß, dess´ Lied ich sing - bestimmten die Landesherren das Glaubensbekenntnis ihrer Untertanen. Die heutige „Martin-Luther-Kirche“ erhielt 1867 ihre Weihe. Sie wurde anstelle einer baufälligen Vorgängerkirche errichtet, die auf eine Kapelle, 1464 erbaut, zurückging. Diese diente noch im 18. Jahrhundert als Wallfahrtsort und stand im Ruf einer besonderen Heiligkeit. Den Plan für die neugotische Kirche lieferte Baumeister Anton Hurt. Es war die Absicht, „eine schöne geräumige, den neueren Fortschritten der Kirchenbaukunst angemessene Kirche, welche die schönste Zierde des Ortes bildet“ zu errichten. Sie sollte „dieser Gemeinde zur Ehre gereichen“, sie werde „für Jahrhunderte gebaut und für die Nachkommen ein ehrendes Denkmal für den kirchlichen Sinn ihrer Väter“ sein. Das aus Sandsteinquadern errichtete Gotteshaus ist eine weite neugotische Hallenkirche mit fünf Fensterachsen. Unter den Fenstern sind kleinere Doppelbogenfenster angebracht. An der Westseite erhebt sich der Glockenturm mit seinem spitzen Helm. Die Kirche erlitt im Zweiten Weltkrieg erhebliche Schäden. 1957 wurden die Renovierungen und Umgestaltungen im Kircheninnern abgeschlossen. Aus dieser Zeit stammen auch die von dem Kunstmaler Probst entworfenen bunten Fensterverglasungen. Zum Kircheninventar zählt eines der wertvollsten Orgelwerke des Saarlandes. Diese Orgel mit ihrem sehr schön geschnitzten Gehäuse wurde 1873 von der Firma E. F. Wacker aus Ludwigshafen für die Weltausstellung in Wien gefertigt.

Am zweiten und dritten Wochenende im Juli findet in der Bliesaue zwischen Webenheim und Blieskastel das Webenheimer Bauernfest statt, eines der größten und tradtionsreichsten saarländischen Volksfeste. 2006 wurde es bereits zum 85. Mal gefeiert. 1921 machte sich der Reiterverein Bliestal erstmals daran, ein Sommerfest mit Pferderennen zu organisieren. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wehrten sich die Bauern gegen die harten Maßnahmen der Zwangswirtschaft, die allen Bauern hohe Einbußen brachten, der Bevölkerung aber nicht zu den erhofften Lebensmitteln verhalfen. Mit den Bauerntagen wollten die Landwirte gegen die Besatzungsmacht und ihre Zwangswirtschaft protestieren - gemeinsam mit der Bevölkerung. So entstand das Fest und sein Motto: „Stadt und Land - Hand in Hand“. Seither hat sich das Bauernfest zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Neben den Pferderennen und dem Reit- und Springturnier ziehen auch Tierschauen die Menschen an. Die Festwiese ist ein Paradies für Kinder und Jugendliche. Und im Festzelt genießt man neben dem obligatorischen Festbier kulinarische und kulturelle Leckerbissen.


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Zur Geschichte von Wolfersheim

Das heute noch bäuerlich geprägte Dorf liegt auf der rechten Seite der Blies, am östlichen Hang des Kalbenberges, von dem der Blick weit über den Bliesgau schweift. Wolfersheim, mit dem alten Dorfkern um die Kirche, ist ein Ort, der an der Mulde einer Quelle gegründet wurde. In der ersten urkundlichen Erwähnung aus dem Jahre 1274 erscheint der Ort als „Wolfirsheym“, eine Ansiedlung des fränkischen Sippenführers namens Wolfhari. Im späten Mittelalter gehörte das Dorf mehreren Besitzern, darunter die Klöster Hornbach, Gräfinthal und Wadgassen. Seit 1453 war der Herzog von Pfalz-Zweibrücken der Landesherr, er führte im 16. Jahrhundert die Reformation ein. 1777 erhielt Freiherr Christian Cathcart von Carbiston, Herr von Bundenbach und Zweibrückischer Hofbeamter, von dem Pfalzgrafen Karl II. August von Zweibrücken das Dorf Wolfersheim. Bereits 1778 wurde der Ort aus Geldnot an die Gräfin Marianne von der Leyen in Blieskastel veräußert.

Der Ort ist ein Straßendorf, bei dem heute wie schon im Mittelalter die Straße parallel zum Hang auf der Grenze zwischen den fruchtbaren Böden des Unteren und Mittleren Muschelkalkes verläuft. An den Ortseingängen stehen Häuser des 20. Jahrhunderts, darauf folgen Bauernhäuser des 19. Jahrhunderts und schließlich der Dorfkern mit Häusern des 18. Jahrhunderts. Dies sind Bauernhöfe, die dicht aneinander anschließen. Positiv für das Ortsbild hat sich die Restaurierung der alten Bauernhäuser ausgewirkt, wobei insbesondere die Vielzahl der dorfgerecht gestalteten bäuerlichen Anwesen überzeugt. Es sind noch etliche der für die hiesige Region typischen „südwestdeutschen Einhäuser“ zu sehen. Bei diesen in der Regel traufständigen Gebäuden sind Wohn- und Wirtschaftsteil unter einem Dach in Firstrichtung nebeneinander untergebracht. Der Wohnbereich des meist zweistöckigen Einhauses ist durch bis zu vier Fensterachsen und die mittig gesetzte Eingangstür symmetrisch gegliedert. Den Wirtschaftsteil erkennt man an den hölzernen, zweiflügeligen Scheunentoren mit ihren Sandsteingewänden. Die Luftluken sind bei manchen Häusern unterschiedlich gestaltet. Darüberhinaus findet man hier auch den Bauernhaustyp des Gehöftes, insbesondere der Zweiseit- oder Hakenhof. Dabei wurde ein bestehendes Einhaus um einen rechtwinklig angebauten Wirtschaftsteil ergänzt. Auch gibt es in Wolfersheim einige wenige Parallelgehöfte, wobei sich ein traufständiges Wirtschaftsgebäude parallel hinter einem straßenseitig orientierten Einhaus anordnet.

Der Chorturm der protestantischen Kirche, ehemals St. Stephan, mit seinem Satteldach und den beiden gotischen Maßwerkfenstern an der Südseite datiert aus dem 14. Jahrhundert. Das Kirchenschiff, ein schlichter barocker Saalbau mit drei Fensterachsen, 1754 erbaut, wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, 1960 innen und 1974 außen renoviert. In Wolfersheim hängt auch eine der wenigen Glocken, die von den Nazis während des Zweiten Weltkrieges nicht eingeschmolzen wurden. Wegen ihrer politischen Inschrift „ZVR ERINNERVNG AN DIE SAARABSTIMMVNG 13. IANVAR 1935. EHRE - FRIEDE - FREIHEIT“ wurde sie von den damaligen Machthabern als erhaltenswertes Geschichtszeugnis angesehen. Im Kircheninnern steht die Glocke aus dem Jahre 1785, die „von denen hiesigen reformierten Wolfersheimer Gemeinsleiden zu ihrem alleinigen Gebrauch aus ihren Saecken angeschaffet und von Jacob Sieber ledigen Gemeinsmann zuerst hundert Gulden gesteiert worten im Jahre 1785. Gos mich Christoph Klein zu Ernstweiler:“

Dorfbildprägend sind die vielen alten Nuß- und Kastanienbäume. Durch gezielte Ergänzungspflanzungen wurden in den letzten Jahren bemerkenswert viele junge Laubbäume in den Ort gebracht. Die Umgebung des Ortes wird von Feldern mit ihren Obstbaumbeständen geprägt. Deren Früchte, zumeist Kirschen, Zwetschgen, Birnen und Äpfel, werden in der örtlichen Brennerei zu einem hochprozentigen Schnaps gebrannt, der ob seiner Qualität weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt ist.

Auf dem Höhenrücken zwischen Wolfersheim und Rubenheim befindet sich eine Grabhügelgruppe der Hallstattzeit ( ca. 800 - 500 v. Chr.). Im Hügel 20, einem keltischen Fürstengrab, fand sich ein männliches Skelett, das aufgrund seiner Größe von annähernd zwei Metern beträchtliches Aufsehen erregte und als „Wolfersheimer Riese“ Eingang in die archäologische Wissenschaft fand - auch wenn dieser Fund bisweilen von dem benachbarten Rubenheim gerne für sich in Anspruch genommen wird.

Wettbewerbe "Unser Dorf soll schönder werden - Unser Dorf hat Zukunft"

  • 1996 Kreissieger
  • 1997 Gold auf Landesebene
  • 1998 Silber auf Bundesebene
  • 1999 2. Kreissieger (Baustelle Ortsdurchfahrt)
  • 2000 Silber auf Landesebene (Baustelle Ortsdurchfahrt)
  • 2002 Kreissieger
  • 2003 Gold auf Landesebene
  • 2004 Gold auf Bundesebene
  • 2004 Dorferneuerungspreis(Kategorie Silber)beim europäischen Dorferneuerungswettbewerb.

Besondere Anerkennung bei allen Wettbewerben fand das Zusammenspiel von Privaten, Öffentlicher Hand sowie der Kirchengemeinde bei Maßnahmen der Dorferneuerung.

Einige Beipiele:

  • Renovierungen vieler Häuser entlang der OD.
  • Ausbau der Ortsdurchfahrt mit Vollrinnen und Pflanzstreifen zur Verkehrsberuhigung
  • Renovierung der Kirche und Vorplatz mit Brunnen
  • Renovierungen im u. am Dorfgemeinschaftshaus mit Dorfplatz
  • Umbau der Milchsammelstelle
  • Neubau Feuerwehrhaus
  • Die Laufbrunnen.

Weitere Pluspunkte bei den Wettbewerben waren die Streuobstwiesen (Alter Bestand u. die vielen Neupflanzungen) sowie das Ortsgrün (alter und neuer Hausbaumbestand: Kastanien, Linden, Nussbäume sowie die Pflanzstreifen entlang der OD).