Hochwasser in Blieskastel

03.06.2024

Der Bürgermeister informiert...

Die Blieskasteler Stadtverwaltung trug keinerlei Schuld an der Überflutung am Pfingstwochenende

Die extremen Wassermassen sowie der Pegel der Blies waren die Ursache für die Überlastung des Pumpwerks

Bei meinen Wegen durch die Straßen unserer Stadt begegneten mir in den vergangenen Tagen viele Fragen zum Hochwasserereignis an Pfingsten. Betroffene berichteten von ihren Gebäudeschäden, von Nöten und Sorgen - teilweise verzweifelt, teilweise bestürzt, einige aber auch verärgert über die Stadtverwaltung, die sie offensichtlich nach wie vor für das Desaster verantwortlich machen. Das trifft jedoch keinesfalls zu. Im Nachgang zu meinen Worten in dieser Rubrik der vorangegangenen Woche möchte ich also nochmals zu diesem Thema Stellung nehmen.


Hochwasser kam diesmal nicht über den Damm, sondern durch die Straßengullys

Die Stadt Blieskastel war für die bevorstehenden Regenfälle hervorragend gerüstet. Alles war vorbildlich organisiert und funktionierte plangemäß, bis am Pfingstsamstag abends zwei Pumpen im nahegelegenen Pumpwerk des Entsorgungsverbandes Saar (EVS) ausfielen. Bereits beim Hochwasserereignis 1993 war ein Ausfall im Pumpwerk für die Überflutungen verantwortlich. Damals standen sie unter Wasser. In Folge dessen wurden die elektrotechnischen Installationen um einen Meter angehoben, um sie vor Überflutung zu sichern. Bis Samstagnachmittag liefen laut EVS beide Pumpen sowie eine Redundanz- und eine mobile Pumpe auf Hochtouren. Doch am späten Nachmittag konnten sie den extremen Wassermassen und dem enormen Wasserdruck nicht mehr standhalten und schalteten wegen Überlastung ab. Alarmiert durch ansteigende Wasserstände beteiligten sich bei der Fehlersuche in der Stadt bzw. im Bereich des Damms am Freizeitweg auch einige Mitarbeiter unseres Abwasserwerkes. Nachdem sich die Ursache herauskristallisiert hatte, nahm die Kontaktaufnahme mit den Verantwortlichen beim EVS Zeit in Anspruch, zumal die Techniker bereits an anderen Schwerpunktorten im Einsatz waren. Zudem behinderte der Wasseranstieg auf dem Gelände einen sicheren Zutritt zum Gebäude. Erst nach etwa 23 Uhr konnten die Pumpen wieder in Betrieb genommen werden. Hinzu kam das Problem, dass einer von zwei automatischen Hochwasserschotts der Anlage durch Schwemmgut blockiert und dadurch nicht gänzlich geschlossen war. Die Folge war ein Wassereintritt von der Blies in das Becken der Pumpstation. Erst montags bei nachlassendem Wasserdruck konnte der betreffende Schott vollständig geschlossen werden. Es fielen am Wochenende über sechs Stunden 87,5 Liter Wasser pro Quadratmeter. Beim Hochwasser 1993 waren es 64 Liter. Vor dem Damm wurden diesmal 30cm Wasserunterschied gemessen, in der Stadt waren es 100cm.Doch diesmal hielt der vor einigen Jahren angehobene Damm stand, 1993 war das leider nicht der Fall. In Folge der vorgenannten Umstände gelangte das Wasser diesmal durch das Kanalsystem und die Gullys in die Blieskasteler Innenstadt.


Vorbildliche Vorbereitung der Freiwilligen Feuerwehr

Ohne die weitsichtige Planung unserer Feuerwehr wäre die Situation sicherlich nicht so schnell in den Griff zu bekommen gewesen. Der Wehrführer hatte in weiser Voraussicht dafür gesorgt, dass am Freizeitzentrum bereits im Vorfeld der Ereignisse seit dem Mittag 15 Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr sowie mehrere Züge des Technischen Hilfswerks (THW) bereitstanden, die bei der sich anbahnenden Überflutungslage dann direkt aktiv wurden. Viele Einwohner waren bereits durch die Warn-Apps, u.a. auf unserer Webseite, alarmiert, viele boten sich als Helferinnen und Helfer an und auch ich war als Leitung des kurzfristig einberufenen Krisenstabes quasi 24 Stunden aktiv vor Ort, ebenso wie die Bereitschaftsdienste und unzählige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Rathäusern. Bereits sonntags waren diverse Container geordert worden, um Schutt und Unrat zu entsorgen. Kosten und Materialeinsatz waren enorm. Allein die Feuerwehr hat im Nachgang der Ereignisse bislang rund 150.000 Euro an Materialschadenkosten ermittelt. Schäden in diversen städtischen Objekten wurden ebenfalls ermittelt bzw. dokumentiert und das Abwasserwerk ist aktuell unter anderem damit befasst, 15 Kilometer Kanalnetzleitungen zu prüfen und zu spülen – Blieskastel-Mitte, Lautzkirchen und Webenheim noch nicht eingerechnet.


Sondierungen und wichtige Planungen stehen an

Wir werden uns ausführlich damit befassen, was wir in punkto Schutz und Vorsorge bei zukünftigen Starkregenereignissen noch weiter verbessern können. Im Rahmen eines Termins in der laufenden Woche werden wir gemeinsam mit den EVS-Verantwortlichen das Hochwasserereignis und die Einflüsse auf die EVS-Anlage analysieren, mögliche Anpassungen sowie eine Vorgehensweise besprechen, wie wir zukünftig untereinander mehr Kontakt, Austausch und eine intensivere Zusammenarbeit pflegen können. Laut EVS-Pressestelle steht das Pumpwerk planmäßig zur Generalsanierung an. Dabei sollen u.a. die Schneckenpumpwerke, die Elektronik sowie die Wehre erneuert werden. Vor einer Ausschreibung will man nun aufgrund der jüngsten Erkenntnisse alles nochmals prüfen und auf die Erfahrungen aus dem aktuellen Ereignis anpassen. Eine weitere mögliche Vorsorgemaßnahme für kommende Ereignisse könnte nicht zuletzt darin bestehen, neue Warnsysteme einzurichten und die Überwachung der Pegelstände zu optimieren, also beispielsweise zusätzliche Messstellen anzulegen und den Wasserfluss bereits über größere Distanzen zu überwachen.

Über den Fortgang unserer Analysen, Gespräche und Planungen werde ich Sie auf dem Laufenden halten. Die Stadt Blieskastel wird das Menschenmögliche tun, damit sich dieses Szenario nicht wiederholt.


Ihr und euer Bürgermeister
Bernd Hertzler